Sonder-Abdruck aus Nr. 37 der Zeitschrift
Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau.
Landschaftsgärtnerei.
Das Verpflanzen und der Transport einer etwa dreihundert Jahre alten Eibe in Frankfurt a. M.
(Hierxu fünf Abbildungen.)
Daß sich hundertjährige Laubbäume, wenn auch mit erheblichen Kosten, erfolgreich verpflanzen lassen, hat man in diesem Frühling in Berlin gesehen, wo drei mächtige Linden infolge des Baues der Untergrundbahn, Ende vorigen Jahres versetzt werden mußten. Das Experiment, über das wir in No. 13 dieses Jahrganges berichteten, ist vorzüglich gelungen ; die verpflanzten Bäume haben gleichzeitig mit den übrigen ausgetrieben und prangen zurzeit, als sei nichts geschehen, in vollem Blätterschmuck.
Über das Verpflanzen einer fünfzigjährigen Taxus in Kiel haben wir in No. 16 dieses Jahrganges eine eingehende illustrierte Schilderung gebracht. Inzwischen ist man in Frankfurt a. M. zum Verpflanzen eines etwa 300 Jahre alten Baumes der gleichen Art geschritten.
Die Verlegung des botanischen Gartens der Sencken- bergischen naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. aus dem Innern der Stadt nach dem Westen, der Ginnheimer Höhe, erforderte die Verpflanzung einer von Fachleuten auf ein Alter von 250 bis 300 Jahren, von einigen auf ein noch höheres Alter geschätzten Eibe, Taxus baccata, die in diesem Garten ziemlich dicht an der Stiftstrasse stand und die ich schon als Kind oft zu betrachten und zu bewundern Gelegenheit hatte. Sie ist, wie verschiedene unserer Abbildungen erkennen lassen, ein hochstämmiger, stattlicher Baum mit wohlgeformter, regelmäßiger, reich verzweigter Krone, der an Größe und Schönheit die berühmten alten Eiben im Garten des Herrenhauses zu Berlin, die gleichfalls vor einigen Jahren verpflanzt werden mußten, völlig in den Schatten stellt.
Nach schon vor Jahren eingeholten Gutachten von Sachverständigen, schien, trotz der Größe und des Alters des Baumes, seine erfolgreiche Verpflanzung möglich zu sein, und diese ist nun versucht worden. Man hat zuletzt sogar den Vertreter einer englischen Firma, die das Verpflanzen großer Bäume als Spezialität betreibt, kommen lassen; dieser hatte sich im gleichen Sinne wie die früheren Sachverständigen ausgesprochen und Ratschläge gegeben, die freilich nur zum Teil befolgt werden konnten. Die großen technischen Schwierigkeiten zu lösen, ist vielmehr der weitbekannten Frankfurter Baufirma Philipp Holzmann & Co., durch die Herren Ingenieure Ahrens und Porth, gelungen, die sich wieder nach den Wachstumsverhältnissen des Baumes richteten, wie sie von seiten des botanischen Gartens ermittelt und angegeben wurden. Als wichtige Vorarbeiten waren von dem Obergärtner des botanischen Gartens, Herrn Rudolf Günther, in den drei vorhergehenden Jahren nach und nach die starken Wurzeln des
Gartenwelt XI.
Baumes in gewisser Tiefe und Entfernung vom Stamme abgeschnitten worden, wodurch der Baum gezwungen wurde, neue Saugwürzeln in größerer Nähe des Stammes zu bilden. Auf diese Weise konnte der zur Verpflanzung nötige Erdbällen kleiner genommen werden und zwar in einer Größe von 4 Meter im Quadrat und ca. 2 Meter Tiefe. Der Ballen dieser
Die dreihundertjährige Eibe mit eingekübeltem Wurzelballen in der zum Fortrollen erforderlichen Höhe.
Nach einer Aufnahme der Lichtdruckanstalt C. F. Fay, Frankfurt a. M., für die „Gartenwelt“ gefertigt.
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