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Aranklurt W., Mittwoch, den 13. JuU 1888.

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Redaktion

und

Grpedition

Allerheiligenstratze 85 part. u. 1. St. Telephon No. 8V«.

Telegraphische Neuigkeiten. Deutschland und die Dreyfusaffaire.

Berlin, 12. Juli. DasBerliner Tageblatt" veröffent­licht unter aller Reserve eine ihm aus Brüssel zugangene Depesche, wonach der Berliner Vertreter desEtvile beige" ans angeblich ausgezeichneter Quelle erfahren habe, die deutsche Regierung würde unmittelbar nach der Rückkehr des Kaisers voll seiner Nordlandreise eine kräftige Stellung zur Dreyfus-Sache nehmen. Freiherr von Bülow werde alsdann Erklärungen avgeben, welche an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen würden. Schon im März dieses Jahres habe die deutsche Regierung den Schleier zerreißen wollen, welcher den Dreyfus-Schwindel nmgiebt, doch habe sie damals noch hiervon Abstand genommen, jetzt aber, da Eavaignac indirekt neuerdings Deutschland in die Debatte gezogen, wolle eie deutsche Regierung keine Rücksicht mehr nehmen.

Paris, 12. Juli. Der Minister des Aeußern unb der Ministerpräsident sind seitens der deutschen Regierung halbamtlich dahin verständigt worderr, daß volles reicht in der Drehfus-Angelegenheit geschaffen werden könne, ohne daß nur einen Augenblick die guten Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland beeinflußt würden. Angesichts der entgegenkommenden Haltung der deutschen Regierung gilt es hier als sicher, daß die Revision des Dreyfus- Prozesses im Noveniber erfolgen wird.

Podbielski.

Berlin, 12. Jlili. Staatssekretär Podbielski befindet sich zur Zeit in Bukarest und beabsichtigt sich von dort nach Cvnstantinopel gu begeben. Die Reise soll bezwecken, bessere Telegraphen- und auch Eisenbahn-Verbindungen nach dem Balkan iu die Wege zu leiten. Zunächst wird geplant, eine direkte Telegraphen-Berbindnng Berlin Bukarest und eitlen direkten Eisenbahnzug Berlin Bukarest-Constanza herzirstcllen.

Oesterreich. Sprachenverordnung.

Wien, 12. Juli. Gestern Abend ist eine Kundgebung der Club-Obmänner der Linken erschienen, in welcher die sofortige Zurückziehung der Sprachen-Berordnulig als das eitizige Mittel zur Herstellung geordneter Verhältnisse be­zeichnet wird. Dieser Beschluß wurde dem Grafen Thun noch gestern Abend mit^eteilt. Den Obmännern wurden die Grundsätze und Absichten der Regierung zur Kemltniß gegeben. Infolgedessen versammeln sich die "Club-Obmänner heute abermals zu einer endgültigen Stellungnahme.

Die Congo-Eiseribahn eröffnet,

Brüssel, 12. Juli. Wie vom Congo gemeldet wird, ist die Congo-Eisenbahn in Anwesenheit der Würdenträger des Congostnates und der Vertreter der europäischen Groß­mächte mit großeit Pomp eröffilet worden.

Der spanisch-amerikanische Krieg.

London, 12. Jttli. Wie aus guter Ottelle gemeldet wird, hat sich die Königin-Regentin von Spanien in einem Briefe an den Kaiser von Oesterreich gewendet und ihn in ihrer Bedrängniß gebeten, die Initiative ztl ergreifen, indem sie dabei Alles in feine Hände legt. England wird unter keinen Umstünden den Frieden vermitteln, falls es hierzu nicht das Einverständniß Amerikas hat.

Madrid, 12. Juli. Nunmehr wird auch offiziös be­stätigt, daß thatsüchlich direkte Fricdensverhandlungen mit Amerika eingeleitet worden sind. Nach aus Washington eingelaufeuen Depeschen ist Mac Kinleh geneigt, die Friedensbedingungen nicht allzu schwer zu machen. Zu einem Kampfe bei Santiago dürfte es irnter diesen Um­ständen nicht mehr kominen.

Friedensforderungen.

Madrid, 12. Juli. Wie es heißt, sind die Amerikaner bereit Frieden zu schließen, welm ihnen ein Hafen auf den cauarischen Inseln überlaffen und Spanien 1200 Millionen Peseta Kriegsentschädigung zahlt. Bis diese Summe be­zahlt ist, würden die Amerikaner die Philippinen besetzt halten.

Unruhen in Shanghai.

London, 12. Juli. Wie aus Shanghai gemeldet wird, verübten aufrührische Banden einen Angriff auf die protestantischen und katholischen Missionen in Schang- sching fu. Ebenso fanden Unruhen in den benachbarten Niederlassungen statt. Für einen gefangen genommenen französischen Priester verlangten die Räuber 10,000^Taels

Lüsegeld. Die Corlsuln in der Stadt Tschung-king haben sich angesichts der kritischen Lage ans das Kanonenboot Alert begebe».

Nix Neues.

Zerkel r

Etzt frag' ich aan verninft'ge Mensch:

Was soll mer da noch sage?

In Holland dhun sogar die Kieh Etzt goldne Ohrring trage.

Mer dhut en ferner um de Hals Elt bunte Bennel Winne,

An dem sich vorne als Verschluß E Bröschi dhut besinne.

Schnörkel:

Warum Dich des verwunnern dhut,

Des kann ich net verstehe.

Mer maant, Du hätt'st was Aehnliches Noch niemals hie gesehe.

Was is derbei, wenn dort die Kieh Etzt Ohrring schmickt un Brosche?

Wie mancher Ochs lääft hier ernm Mit Strohhut un Galosche!

Albert Wämser.

Nachstehend führen wir heute im Bilde den Dritten jener verdienstvollen Männer vor, welche die Begründer des radsportlichen Lebens in Frankfurt waren nnb die heute in

der hiesigen sportlichen Organisation und in der Leitung der Sportsgeschäfte die bedeutendstell Faktoren sind.

Mit Robert SeiffermaUll wirkt Albert Wämser im Borstande des Gaues IX des deiltschen Radfahrerbundes als zweiter Ganfahrwart und hat sich derselbe in unserem Sport besonders durch den Sieg in der strapaziösen Fern­fahrt FrankfurtStraßburg und zrirück das Ehrenbürger- recht erworbell. Radsportsmann durch und durch, ist er überall dabei, wo cs gilt, deuselben ztl fördern und ihm zur Anerkennung zu verhelfen. Er wirkt in seinem Verein, dem Frankfurter Bichcle Klllb, für das geflügelte Rad der Zeit, er müht sich im Vorstand des Gaues in seinem Dienste ab und er war ebenso emsig wie im vorigen, auch in diesem Jahre für den Blumenkorso thätig, der in erster Lülie ihm und dern Sportkameraderl Adam Richter, dem vorjährigen Vorsitzenden des Korsokomitöes, lebhaften Dank schuldet.

Wie Schneider und Seiffermann gehört auch Wämser §it Jenen bevorzugten Menschen, die es stets verstehen, die

Sache über die Person zu stellen und sich den klaren Blick

nach dem Ziele durch keine Wolcke trüben lassen.

Möge es diesem lieben Menschen unb guten Spvrts- kameraden noch recht lange vergönnt sein im Dienste der gemeinsamen Sache zu wirkerl. Uns zum Wohle unb ihm selbst zur Ehre und Anerkennung.

Die Frankfurter Zeitung und das Militär.

Ein Redakteur derFrailkfurter Zeitung" ist wieder einmal zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt worden, weil er einen nicht wahrheitsgemäßen Bericht über den Transport eines angetrullkenen Civilisten drrrch Soldaten gebracht und derü blichen" Entrüstung über das Militär Allsdrllck gegeben hatte.

Wir leugnert llicht, daß die Zeitung bei dem in Rede stehendell, iu Koblenz spielenden Fall ziemlich objektiv referiert hatte, müssen aber die Behauptung des Staars- arlwalts llllterschreiben, daß es sich wieder einmal um eilte Hetzerei harldle. Das Blatt sucht dem Militär am Zellge zu flickell, wo es nur karur und bei Eintritt des großen Kladderadatschs, werm die nach Ausgleich tüfterne Knüppel­garde im Laufschritt sich der Eschenheimergasse nähert, wird die Zeitung gerade die Erste sein, die um Schutz nach der Kaserlle telephoniert.

Wird ein Lehrling in der Setzerei derFrankfurter Zeitung" mißhandelt oder ein armer Bureaubeamter von den Mächtigen der Administration mit Nadelstichen halb tot geärgert, liest man freilich ilichts davoll in den Spalteu des menschenfreundlichen Blattes, nur wenn eilt Soldat, und werln es das schlechteste lind verkommellste Subjekt wäre, ein Paar Ohrfeigen erwischt- weil der Vorgesetzte schließlich das europäische Gleichgewicht verliert, rührt sich das militärfeindliche Blatt ulld spritzt seilt Gift gegen die Träger der Uniform.

Die Wichtigthuerei des angeklagten Redaktelirs, der sich über eine durchaus nicht so ungerechtfertigte Kritik des Staatsanwaltes beschwerte und einen bombastischen Bortrag über seine Wertschätzung hielt, wollen wir verzeihen, denn sie ist auf derFrkft. Ztg." üblich. Wir erinnern uns z. B. daß sich der vr. Joseph Stern vor Gericht derart aufzublasen Pflegte, daß er das Aeußere eines Luftschiffes annahm und mit der Saaldecke zu karambolieren drohte - weshalb er dem Staatsailwalt, dem Gerichtshof, Zeugen und Zuhörern stets ungeheuer komisch vorkam.

Eilte ebenso lächerliche, als faule Allsrede dürfte wohl auch die Behauptung gewesen sein, es sei der Zeitung nicht ums Hetzen zu thun geweseli, obgleich die Uniform auf die Redaktion derFrkf. Ztg." wirkt wie der rote Lappen des

Toreros auf den Kampfstier:Ein Soldat-nix

wie druff!"

Hat man denn auf der Eschenheimergasse gar kein Ver- ständniß dafür, daß das Vaterland dieser von derFrkf. Ztg." stets geschmähten Armee Dank schllldig ist, lmd daß wir ohne sie tief im Dreck säßen? Haben die Herren Sonne- mann, Dr. Jo'eph Stern, Hörth, Sack und wie diealten Herrn" alle heißen mögen im Jahre 1370 mit auf die französischen Geschütze gestürmt oder haben sie dieseil Sturm durch diese dreckigen Kerle besorgen lassen, aus denen sich ihrer Meinung nach die deutsche Armee zusammen zu setzen scheint? Sie blieben hübsch daheim, schrieben Artikel und waren froh, daß sich dieses Heer, welches an Herrn Sonnemann noch kein Gelreralkommando zu vergeben hatte, um ihre Wohlfahrt so sehr in Feindesland bemühte.

Schließlich erlauben wir uns die bescheidene Anfrage, ob der demokratische Anstrich eines Blattes unbedingt ver- larigt, daß die Armee bei jeder sich darbietenden Gelegenheit verullglimpft werden Mllß?

Es hat alles sei Urfach!

E Trüppche Schneider, siwwe Stück,

E lewenslust'ge Blase,

Versammelt saß beim Frühstück jüngst Emal in deDrei Hase".

Gesund un frisch war ihr Humor,

Ihr Appetit net minder!

Un Sause konnte se, mer segt,

Als wie die Berschtebinder.

Un Aaner erscht, e Or'ginal,

En Graukopp mit 'er Glatze,

Na, der könnt achle un macht' Witz'

Des war grad zum Verblatze!

Un Redde halte konnt'r grad Als wie der Eugen Richter,