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Un bester noch, un deklamier'«,

Aus alle deutsche Dichter.

ffreund", schnitt em Aaner ab des Wort, Du bist der ze beneide Um Det Gedächtnis, wenn de aach Schon viel geloge heute.

Es is mer unbegreiflich wie Du in Deim Kopp, dem alte,

Des ganze Zeug von A bis Z,

Kannst so genau behalte".

Da legt der Graukopp aus der Hand Des Messer un die Gawel,

Un leert sei Glas uff aan Zug aus Un segt:Was e Gebabbel,

Dumm Oos, deß mei Gedächtnis is So riesig wie Dein Zinke,

Mecht weil ich Scheppler's Denkkaffee Norzt un nix annersch trinke."-

Otto von Corvin über Wilhelm Jordan.

Wieder einmal blättere ich in Corvins Biographie, die gerade für Frankfurter besonderes Interesse bietet, weil sich der verstorbene Verfasser viel mit den Bewohnern der alten Kaiserstadt beschäftigt und dabei stoße ich ans folgende Aeußernngen über Marinerath Jordan, die zn dessen Charakteristik beitragen mögen:

Die deutsche Flotte bringt mich auf den letzten Splitter derselben, ben Marinerath Wilhelm Jordan, der damals auch in Leipzig, oder vielmehr bei Leipzig, in Lindenan wohnte. Er war ein großer, schlanker, schöner, junger Mann von lebhaftem und sehr einnehmenden: Wesen, der aber wegen seiner Arroganz und Eitelkeit den Männern weit weniger gefiel als den Frauen, die er hauptsächlich durch seine Rede gewann. Er sprach sehr ge­läufig und lebhaft, und was dieser Rede an Tiefe abging, versuchte er mit Erfolg durch Wortgefnnkel zu ersetzen oder zn verbergen. Jordan hatte ohne Zweifel bedeutendes Talent, allein er überschätzte es unmäßig. Er gab damals eine Zeitschrift bei Wigand heraus, welche erDie begriffene Welt" nannte und einen Band Dichtungen unter dem TitelSchaum", die manches schöne Gedicht enthielten. Obwohl ich Jordan's zur Schau getragene Vorzüge sehr wohl erkannte und ihnen volle Gerechtigkeit widerfahren ließ, so fühlte ich doch keine Sympathie für ihn. Bei einem Buchhändlerdiner imHotel de Pruffe" brachte Jordan einen Toast aus, dessen Inhalt sich in der Kürze mit den Worten ausdrücken läßt:Hilf dir selber und jammere nicht thatlos um Gottes Hilfe." Der liebe Gott hat sich gauz andere Redensarten gnädigst gefallen lassen - aber die Regierung von Gottes Gnaden verurteilte Jordan alsGotteslästerer" zu sechs Wochen Gefängnis. Es war aber auch höchst undankbar gerade von einem Pfarrerssohn, dem lieben Gott so öffentlich ein Miß­trauensvotum zu gebeu! Seit diesem Vorfall war Jordan einMärtyrer" und wurde aus Sachsen fort- gernaßregelt. Er ließ Weib und Kind einstweilen in Lindenau und beide erst Nachkommen, als er in Bremen ein sicheres Asyl gefunden hatte. Dort muß Jordan das Seewesen studiert haben, denn bei unseren nautischen Exkursionen auf Schimmelers Teich erschien er mir noch entsetzlich grün in dieser Hinsicht. Gerstäcker erging es in Bezug auf Jordan gerade wie mir. Meine Frau aber bewunderte ihn sehr und er verehrte ihr das abgesetzte Manuskript seinesSchaum." Bei dem erwähnten Buch händler-Essen war auch Auerbach, dessen Dorfgeschichten damals Furore machten. Er hatte den Philosophen-Habitns abgelegt und war jetzt ganz gemütlicher Schwabe.

Jordan kam häufig von Lindenau herüber, uns zu besuchen, und ich wurde manchmal von meiner Frau gescholten, daß ich nicht herzlicher sei gegen einen so talent­vollen Mann, der sich so gern reden hörte, wovon sie mit-

sAlle Rechte Vorbehalten.) (Nachdruck verboten.)

Rffeinlandstöchter.

Roman von C. Viebig.

(Fortsetzung.)

Sie murmelte etwas UnverstäudlichesGewalt über mich? oh" die Hand auf seinem Aermel zuckte.Ich habe keine Gewalt über mich," stieß sie hervor.Ich könnte manchmal alles zusammenschlagen, mich selbst mit gräßlich - ich kann's nicht ändern manchmal könnt' ich auch lieb sein dann muß ich jedes Kiud auf der Chaussee küffeu albern ich kann's auch nicht ändern nein, ich habe keine Gewalt über mich o nein!"

Sie tanzte beschleunigt fort, fast wild und riß ihn mit sie kamen aus dem Takt. Gut, daß die Musik mit einem Paukenschlag endete.

Kleine Pause. Die Konversation im Saal erhob sich gesteigert Geschwirr, Rauschen von Schleppen, Lachen, Scharren- man konnte sein eigenes Wort nicht verstehen.

Xylander warf verstohlen einen Blick auf Ncldas Tanz- karte oh, gerade der erste Walzer nicht besetzt, wie un­angenehm für das Mädchen.

Soll ich Sie zu meiner Frau führen? Elisabeth würde sich so freuen mit Ihnen zu plaudern. Sie sind erhitzt, Fräulein Nelda, es wäre besser, Sie pausierten den nächsten Tanz. Bitte, thun sie es!"

Sie lächelte und sah ihm gerade in die Augen.

Wie nett Sie sind! Aber verstellen Sie sich nicbt. Ich bin nicht erhitzt und wenn auch es ist Ihnen un-

profitierte, und der so schön sprach. Gerstäcker war eben

solch ein dummer Kerl tvie ich und machte sich auch nicht viel aus Jordan.

Seitdem habe ich ihn nicht wieder gesprochen, aber einmal gesehen. Es war 1855 im Spätherbst in Frankfurt, ich war eben ans dem Brnchsaler Zellengefängnis gekommen, in welchem ich 6 Jahre gesessen hatte. Ich sah nicht eben blühend aus, sondern im Gegenteil sehr, sehr blaß, aber ich war sehr glücklich und stolz und als ich am Main, zwischen der Bibliothek und der Brücke, dem Herrn Marillerath begegnete, that er mir leid, aufrichtig leid, als er verlegen seitwärts sah und an mir vorüberging. Es war mir nicht erfrelllich, von Jordan zu reden, denn die Erinnerung an ihn erregt mich unangenehm- ich kann llicht jubeln, wenn ein talentvoller'Mann fehlt, sondern es bewegt mich schmerzlich."

Logisch.

Mutter:

Sobald en Mann die Stnbb betritt,

Hat's Mädche uffzestehn

Nil wie's der gllte Ton verlangt

Elltgege em ze gehn.

Tochter:

No, so viel Allstand, Mntterche,

Besitzt doch wohl e jede!

Was mächt mer awwer, wenn kann Mailn Des Zimmer dhut betrete?

M il t t e r:

So frag doch net so dumm! Was sollt' Aam dann des llffstehil nitze?

Wenn kaaner kimmt, Du Hahlgans, Du, Dann bleibt mer ewens sitze!

Es lebe die Feuchtigkeit!

Jawohl, verehrte Leser, die Feuchtigkeit, die irdische, die himmlische, nicht zum Weiligsteu die küilstlich geschaffene merlschliche, besonders wenn sie sich durch ihre Süfsigkeit auszeichnet ulld die hochwohllöblich magistratliche.

Wir vermuten ein wenig Phantasie hinter Ihrer Hirnrinde, stellen sie sich also vor, es regnet, was vom Himmel herunter kaml llnd städtische Gießwagen spreilgen das in Frairkfurt kräftig besteuerte Naß der Schöpfung auf die Straße.

Reicht Ihre Phantasie für diese Vorstellung aus? in Wirklichkeit kommt das nämlich nie vor, in Frankfurt wenigstens nicht. Aber irgendwo anders, vielleicht in Sackssenhausell, in Bornheim oder gar in Bockellheim, trotzdem die dortige Bürgerschaft immer eine weiß- gewaschene Ehren-DeputaLon junger Festjnngfrauen zum jeweiligen Empfang eines Gießwagens delegiert. Aber gesprengt wird irgendwo m strömendem Regen.

Bei dieser Gelegenheit fällt uns ein Gedichtchen eiil, daß wir imNarrenschiff" lasen und das zu vorsteheildem Hoch auf die städtische Straßeusilltfluth" gut paßte. Es heißt:

Und wenn der heilige Magistrat Im Rathaus es beordert,

Wird überall im Musterstaat Blindes Parieren gefordert.

Und wenil mail's morgens so befahl,

Plätschern alle Fontänen,

Ob beit bindfadig-dünnen Strahl Auch Wolkenbrüche höhnen.

Und knatterte auch hageldicht Hernieder ein Gewitter,

Der Sprengewagen schenkt uns nicht Seine 1500 Liter.

angenehm, daß ich in den nächsten Tanz schimmle. Mir nicht. Aber bitte, bringen Sie mich zu Ihrer Frau!"

* *

*

Frau Elisabeth Xylauder war sehr vergnügt, sie ging so gern auf den Ball, trotz ihrer Fünfe. Mit sorgloser Fröhlichkeit, wie eine Siebzehnjährige, gab sie sich dem Wiegen des Tanzes hin. Heute war's freilich eiu heißer Tag gewesen große Wäsche, selbst Buschmann mußte dabei helfen Frail Hauptniann hatte allein die Kinder zu hüten, das Essen zu kochen und wie immer alles im ungeeignetsten Moment kommt, so war es auch heute gewesen. Wilhelm kehrte mit einer Beule aus der Schule zurück, dick wie ein Hühnerei, Lollo und Vicky zankten, gingen mit Stöcken anseinander los und zerschlugen den Spiegel über der Kommode. Während die Mutter auf der Diele kniete und die Trünnner zusammen las, kam Karl angekrochen und zerschnitt sich an einem Scherben das Fingerchen große Henlszene mit Rutenstreichen re.

Heiß und abgehetzt war Frau Elisabeth im letzten Augenblick in den Ballstaat geschlüpft. Der war schon geraume Zeit immer der gleiche, ein weißseidenes Kleid, je nach Bedürfnis zurecht gemacht- allzuviel hatte sie ja überhaupt nicht dem Vergnügen des Tanzes huldigen können, von wegen der Fünfe.

Nun stand sie aber, frisch wie ein Sonnentag, im hell erleuchteten Ballsaal. Die rundlichen Schultern sahen weiß, und appetitl ch ans dem Festgewand, an der Brust trug sie ein Sträußchen roter Winterbeeren und ein paar Epheu- blätter die Kinder hatten's im Garten znsammcn- gelesen.

Gut, daß du kommst, Paul", rief sie lacheud, noch atemlos von der letzten Toirr ihrem Mann entgegen,und

O, Sprengewagen, flutenvoll,

Wie ich mich deiner freue!

Du bist das prächtigste Symbol Der subalternen Treue!

An die Radlerin in Pumphosen.

Sind Deine Waden tadellos,

Ob adlig oder adellos,

Lieb' Herzchen, und Dein Wuchs fames,

So radle in der H.ffe los,

Rümpft auch die Nas manch dummes Oos.

Du hast zu Haus die Hosen au Un führest stets das Wort, das große, Weshalb ans Deines Rädchens Bahn Verschmähst Du die geliebte Hose?

Nur wen'ge tragen aus Pose Im deutschen Land die Hose- Denn selbst die skrupellose Längst abgeblühte Rose,

Die nichts geniert - Weil sie emanzipiert,

Will in bestrümpften Beinen Nicht vor der Welt erscheinen,

Und dennoch sehnen Sich alle Schönen

Nur deßhalb nach des Ehstands Kosen,

Damit sie anziehn können die Hosen.

I. B. Müller-Herfnrth.

Augenblicksbilder.

v.

En Blick in die Zauwerlatern kost nix un wann Se mer Ihne Ihr Zeit en Aageblick widme wolle, zeig ich Ihne e paar- neue Type aus Alt-Bernem. Als neueste Blum in met'm Strauß nenn ich Ihne hiermit:

Kümmel:

Kaast Ktmmelweck! ertönt de Ruf Von ihre Lippe, zart beschattet,

Wann ihr im Eppelwei geschwelgt Un nix dazu ze effe hattet So is se euch erschiene, wie En Engel, oen der Himmel schickte Wann se aach grad net ganz so sanft Als wie en solcher uff euch blickte.

Ihr Stimm', sie war en dieser Baß Die Ursach' zu ihr'm Ekelname Doch hawwe Viele sich gefreut Wann se den laute Ruf vernähme:

Kaast Ktmmelweck!

Als zweites Bild zeig ich Ihne:

A p f e l b l ü t h e.

Du warscht die Zuflucht aller Knapper So trinkfest wie en ahler Ritter Un die Gesellschaft in Dei'm Wertshaus Sie war wahrhaft'gen Gott net bitter.

Im Ulke warschte e Genie Un was mer schob all in Dei Stiwwel Des hatt ganz Bernem amisiert Un ehrscht dieEchte" uff Dei'm Htwwel!

De Moreau un de ahle Bock De Fend un aach de ahle Naukel Un aach Dei'n Hausborsch net zeletzt Die hielte würdig Dir die Schaukel.

Was alles is bet Dir basstert,

Un was for Bosse Du geiriwwe Des hat die Chronik Bernems ja Mit gold'nem Griffel uffgeschrtwe.

Bis zum nächstemal empfehl ich mich eme geneigte Publikum als Ihr allzeit getreuer

Friddertch Worschtzippel.

wie schön, daß du Fräulein Nelda mitbringst!" Herzlich streckte sie dem jungen Mädchen die Hand entgegen.Hier, Ramer ist wieder in seiner schwärzesten Laune, es will mir nicht gelingen, ihn aufzuheitern. Vielleicht glückt's unserem losen Züngelchen da besser!"

Sie griff scherzend nach Neldas Ohrläppchen und zwickte es.

Kommen Sie, Kind, lassen Sie sich miteinander bekannt machen Paul, stelle mal vor!"

Gestatten Sie Premierlientenant v. Ramer, mein langjähriger Freund und jüngerer Kamerad vom Kadetten- haus her) jetzt zu meiner- großen Freude hierher versetzt Fräulein "Nelda Dallmer, unsere "Nachbarin ans der Chaussee!"

Nelda verneigte sich- sie sah, wie die Angen des fremden Offiziers gleichgiltig anfblickten und sich sofort wieder zn Boden senkten auf einmal schoß es ihr durch den Kopf Ramer, Ramer wo hatte sie den Namen doch schon gehört? Richtig, vor 3, 4 Jahren hatte er in sämtlichen Zeitungen gestanden, da regte dieser abscheuliche Spielprozeß alle Gemüter auf war das etwa der Sohn von jenem berüchtigten Ramer oder ein Verwandter? Der Sohn sollte Offizier sein. Sie sah den Fremden mit einem ge­wissen Interesse an. Er hatte sich halb abgewendet und ließ Frau Elisabeth ans sich einreden- er sah nicht mehr- jugendlich genug für einen Premier ans, obgleich sein Gesicht hübsch war und seine Haltung eine tadellose.

Xylander trat dicht an Nelda heran und flüsterte, seinen Schnurrbart drehend, hinter der vorgehaltenen Hand:Sie kennen doch die böse Geschichte? Habe ihn heute zum erstenmal herausgelootst armer Kerl, famoser Mensch seien Sie ein bißchen nett zn ihm, Fräulein Nelda, er hat's nötig!" Laut setzte er hinzu:Empfehle mich den Herrschaften Du verplauderst wohl den nächsten Tanz