Mon Frere!

Ich habe jetzt die Ehre das werthe vom 5 ten hujus zu beant­worten, und mein letztes war vom 8 ten.

Der Brief an Herrn Schöffen v. Ohlenschlager ist besorget.

Die Cur am ledirten Arm wird wohl noch eine Weile incommodi- tät bringen, weil nicht möglich ist, daß alle Schmerzen und Schwachheit auf einmal cessiren können; Gottlob! daß das meiste vorbey ist.

Nach der ersten Edition der Monument. Monaster. Wirtemb. in

4. will ich nachsehen ob sie in der Stadtbibliotheque anzutreffen

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ist, u. sodann den Indecem zu dem Tomo 2 do wenn einer dabey ist, zuschreiben lassen.

So sieht man doch endlich daß der Grimmeisen durch die Schul­den zu einem coup de desespoir gezwungen worden, und daß er durch changement der Religion, emploi und Heyrath sich helfen wolle.

Graf v. Pergen und Chur Maintz werden übrigens hier das beste thun müssen. Wir verlieren einen Spitzbuben, und die Catholiken bekom­men einen. Nur Schade, daß unsere Stadt im Publico bey der tummen Jungen im Rath Unerfahrenheit, die sich diesen sämtlichen genann­ten bösen Buben überlassen haben, bisher so vieles leiden müssen. Sie schämen sich jetzt darüber post fästum, wie der unwissenden Buben Art ist, und sind sehr gejW.7? dig und kleinlaut, da ihr

Schwätzer, Führer und Verführer mit.einem Gestank wie der Teufel weggegangen ist. Vorher verlachten sie alle ehrliche Leute, die sie warnten.

Mr. Dietz, superintendus etc hat mir vor etl. Tagen

viel gutes vorgesagt, wie sehr der Landgraf und der Erbprinz sich jetzt einschränken und für Zahlung der Schulden incliniren. Vor mich kann Mon Frere vielleicht durch Herrn v. ^ etwas gutes ausrichten davon gelegentl. Nachricht erwarte.

Es ist gewiß, daß D. Gladbachen das Decretum de Dienstag 8. hujus folgenden Tages in Audientia Consulari Sen. mit einem star­ken Verweis publicirt worden, und dahin gehet er solle die Dimia- sion fordern oder man werde sie ihm geben. Man sagt er wolle ap- pelliren, und muß als das Decendlcum abgewartet werden. Indessen habe Copiam Decreti noch nicht haben können. Sein banqueroute ist schelmisch, durch fressen, saufen, spielen, Kutschenfahren und andere Lüderlichkeit und Leichtsinn zugezogen, und kann er bey einer guten Einnahme, so er gehabt, kein einiges Unglück dociren. Es war daher, und wegen Wichtigkeit des Physicats, nicht möglich mit ihm zu dienen, da ohnehin dergl. Leute allhier in allen Ge­sellschaften alsogleich ausgestoßen werden. Mir hat es Anfangs, wie Gott weiß, weher als ihm selbst gethan, da wir miteinander aufgewachsen sind, und 24 Jahre in Collegio gearbeitet haben. Ich begehre auch von seinen emolumentjj nicht einen Heller und lasse gerne alles andere genießen. Nur erfordert die Ehre des Collegii keinen malhonneten Menschen beyzubehalten, den die gantze Stadt