Mon Frere!
Mein letztes war vom 10 ten hujus, und das geehrte vom 7 ten habe gestern wohl erhalten.
Inzwischen ist Herr von Lersner am 9 ten hujus hier angekomme den ich deswegen noch nicht gesprochen, weil er, da die Adresse nur an einen Mr Senckenberg absolute ging, Buch und Gemählde an den Bruder geschickt hatte, und dieser mir davon nicht Nachricht gegeben, bis ich vorgestern zu ihm kam. Es hatte dieser alles aufgemacht, obschon der Casus oft existirt, daß etwas was an ihn gehört an mich u. vice versa kommt. Herrn v.Lersner werde suchen morgen zu sprechen. Mon Frere danke gehors. vor die Überschickung und sende nach gemachtem Gebrauch die Portraits wieder zurück, welche, eben nicht gut gepackt gewesen. Die Hi- stoire liter. de France kann mit guter Gelegenheit ebenfalls hie- her gehen. Meine Zahlungen thue, wie Mon Frere mich entweder an Herrn Hofrath Luther oder den Bruder anweisen wird.
Besoldi Monumenta Monast. Wirtenb. habe collationirt und gefunden, daß an dem Tomo secundo hinten ein Custos zu den Jadice steht, aber der Index fehlt, welcher doch bey dem Tomo prirno sehr copios erscheint. Es sollte mir leid seyn, wenn er dorten etwa unter der Maculatur wäre liegen geblieben in Eile bey dem Packen, welches mit der letzten Lage eines Buchs leicht möglich ist; dann ich defecte Bücher gar nicht vertragen kann. Bey dem Bruder ist hier nichts liegen geblieben. Ich bitte gar sehr Mon Frere beliebe nachsehen zu lassen.
Syndicus Grimmeisen ist Dienstag 3. hujus in der Stille und vorgebend er verreise auf etliche Tage in seinen privat-Geschäff*- ten, nach Wien abgereiset, und hat an Consules eestl. von Regensburg aus dieses gemeldet. Hat er etwa mit Herrn Grafen v.Pergen abgeredet Papistisch zu werden, reich zu heyrathen und^Reichshof- rath zu seyn, um durch diesen Sprung auf einmal sich at&s seiner Schuldenlast zu retten? Er ist ein böser Bube upter dessen et sociorum Gottlosigkeit unsere Stadt seufzen muß. Gott wolle ihrem bösen Vorhaben Einhalt thun! Ich bitte Mon Frere mir, sobald thunlich, von seinem Gesuch Nachricht zu geben und bösen Anschlägen möglichst Einhalt thun zu helfen.
Heute müssen diejenigen Bürger, so am 14 ten nicht gehuldigt auf dem Römersaal dem Secretario des Herrn Grafen v.Pergen, dem von Nagel, noch nachschwören. Man ßhat alle per&eaa&s ordineyno- tirt und ist auch gestern an mich gekommen; ich aber habe mich, wie wirkl. auch wahr^ist, nebst dem, daß die Concurrenz mit D. Gladbach, dem banqueroutier, und Dr.Burggraf vermieden habe, ex- cusirt, daß ich in der Schwan-Apotheke, da ich mich nahe an dem s.v.privet halten müssen wegen einer Diarrhoea, aus dem Fenster geschworen habe, und so bin ich sowohl des Erscheinens als auch der Unterschrift mit Bemerkung der Ursache des Ausbleibens und Besiegelung eines gedruckten Eides, den man an die so nicht erscheinen können oder wollen, umgetheilt, überhoben worden.