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Mon Frere!
Nach meinem letzten vom 13 *ten hujus habe endlich gestern Nachmittags das Decretum, wovon Copia beygeht, ohne einige gemachte Scrupel erhalten. Nun soll Mon Frere auch ein gerichtlichscopirt
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und \ficU mirtes Exemplar von beyden ^heilen des Instrument! Fundatio-
nis cum Decretii annoch haben. Auch will der Universität Gießen ihr
Exemplar schicken; ich habe selbst zu Gießen über die Addresse an-
fragen lassen, und zur Antwort erhalten, daß dem Herrn ^ectori und *
CancellaWö die Magnifinenz gleichergestalt zukommen.
Frau v. Wiesenhütten ist endlich, nach einem kurtzen Anschein von Besserung, gestern Abends kurtz vor 5 Uhr, im 73 ten Jahre ihres Alters an zurückgetrettener Gicht und Brustkrankheit gantz sanft und wohl disponirt gestorben. Zu dem Zurücktritt der Gicht megtfte sie
selbst durch öffteres Aufstehen aus dem Bett und Hemmung der Trans-
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piration mit Ursach gegeben haben, und da die Lunge ohnehin von tuberculis nicht frey, war die inflammatio und supp&ratio fatalis desto leichter.
Senatus will die Silaria und Schatzung nach dem 20 fl Fuß fcicht fahren lassen aus purem Eigennutz, giebt dabey vor mit letzterem sey vor das 4ßrarium gesorgt, gleichwie mit dem 22 fl Fuß an der Renthe und Zöllen vor die Handlung soll gesorgt seyfc. Sie mögen aber im Rath diesen profit, der den geringen Mann ruinirt, das «orariam ex- haurirt, die Handlung hinweg treibt, und da von dieser alles hier lebfet, sie zuletzt, da sie nichts als beneficium ordinis haben, mit zu grund richtet, allein genießen ut Sentiant et sapiant. Von Wien aus hoffen wir ein besseres remedi^um zu erlangen, und Senatum mit denen übrigen Mitbürgern auf einen geringeren Fuß gesetzt zu sehen.
Die Juden haben artige Hinfälle, und sagen z.E. man habe mit den drei Füßen nur wollen die Jahrzahl herausbringeh, denn
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machen 66.
Item sagen sie:
Drey Füße und doch keinen Kopf,
Au wefh du armer Tropf!