meinen, uns damit eine grose Autorität zu machen, daß sie doch mit ungemischtem Maul davon gehen, uns dessen nicht allein keinen Danck wissen, sondern unser noch in die Zahne darzu spotten, zudem so lassen wir cs darbey nicht, sondern wollen unser Frauenzimmer, desgleichen die Edelknaben, auch die Junckern selbst in Sammt und seidene Kleider, Item unsere Pferde mit Federn und Sammten Zeuge ausbeffern, anders nichts, als wenn wir welsche Ziebet-Katzen welches sich gar übel in diese Landschafft pfefferte, dann unser Herr Vatter Gottseel, hatte das gantze Land allein, schamete sich nicht sein Frauen­zimmer in Amt und Bustatt, mit Büreten schön'Atiaß verbrehmet, desgleichen seiner Gnaden Jungen in gut Lindisch Tuch, auch mit solchen Atlaß verbrehmet, wenn S. Gnaden gleich auf Reichs-Tage zogen, zu kleiden, und wir, die wir S. Gnaden Land in so viel Theike zerstickelt haben, fahren so hoch daher, welches wahrlich in die Lange schwer fallen wird, sonderlich, wenn dermahleinst, ein rauer Wind kommen wird, daß wir in Krieg und dergleichen gerathen würden, dafür uns doch GOtt der HErr gnädiglich behüten wolle, denn wahrlich der Welsche und Teutsche Pracht, dienen nicht zusammen, sintemahl ob sich wohl die Welschen mit Kleidungen stattlich halten, so fressen sie doch desto übler und sparsamer, lassen sich mit einem Gerichte Eher und Salat be­gnügen, da die Teutschen das Maul und Bauch voll haben wollen, darum unmöglich, beyde Teutsche und Welsch Gepränge mit einander zutragen ; Es vertreiben auch beyds Fürsten, Graffen, Edelleuthe, so solches anstellen, und kommen darüber in Leiden und Noth, richten darnach, wann sie verdorben seyn, Jammer und Noch an, wie Euer Lbd. in FranckreiA und denen Niederlanden vor Augen sehen, darbey lassen wir es nicht, sondern behängen uns auch noch neben den vielen von Adel und Frauenzimmer am Hoff mit geschwornen VoLkoren und Cantzlern, nicht schier so viel, wo nicht mehr Dvökores, Lecrersrien und Schreibern, und dazu in höherer Besoldung hat, als unser Herr Vatter Gottseel, selbst, denn obwohl S. Gnaden desselben Cuftodien fast des gantzen Reichs und sonderlich des Schmalkaldischen Bündnüß Sachen, darzu auch die beschwerlichen Recht­fertigungen mit Nassau, auf sich liegen gehabt, hielt S. Gnaden doch dazumahl nickt mehrvoökore 8 ) als voöb. Wallern , dem gab S. Gnaden 50. fl. und dem Cantzlar 8O.fi. hielten darneben einen Lecrerarium, als Simon Büger, jetzund aber hat unser jeder die Anzahl voÄoren, wo nicht mehr, doch nicht den 4ten Theil Landes, auch nicht den ivOten Theil der Sachen, so dieselbe haben müssen ausrichten ; Zudem hat unser jeder so einen Haussen Jager, Köche und Hauß-Gesinde, daß schirr zu einem jeden Berg ein eigener Jäger, zu jedem Topff ein eigener Koch, und zu jedem Faß ein eigener Schencke ist, welches alles wahrlich die Länge nicht gut thun, sondern die hohe Nothdurfft erfordern wird, wollen wir anders nicht verderben und in Schulden gerathen, sondernder Land­schafft dasjenige halten, was wir Ihr zugesagt, nemlich die alten Schulden abzutilgen, darzu sie auch schier alle ihr Vermögen uns vorgestrecket, daß wir uns anders in die Sache schicken. Hier wollen wir geschweigen der grossen Gebäu, darinnen sonderlich wir uns hart vertiefst. Dergleichen das Spielen und das Ausreiffen auf Lantze und zu frembden Fürsten, welche bcyde Stück den Beutel weidlich fegen und raumen-, denn ob man wohl an etlichen Orthen aus-quittiret wird, so gehet einem doch auf allerley Wege noch eines so viel darauff, als wenn eines daheim wäre. Sintemahl wir es alle (ausser Aandgraff George) dermassen angestellet, wenn wir gleich ausziehen, wir doch daheim in unserer Haushaltung so viel Gesinde hinterlaffen, daß man kaum mercket, daß wir ausgezogen sind, darum unsere der Gebrüder, so viel unser ist, hohe Norhdurfft, daß wir diese Dinge wohl bedencken, und unser Hauß und Hoffhaltung anders anstellen, alles unmögliche und unnothwendige Gesinde von grossen biß auf den kleinsten, was man immer entrathen kan, abschaffen, und biß dahin richten, daß wir etwas für uns bringen, damit wann wir erwann zu Ehren ausziehen oder sonst zur Nothdurfft was thun sollen, wir nicht das Geld mit Beschwerniß ausbringen.

Was denn ferner betrifft, ob wir die Gebrüder allerseits unsere Gemahlinne mit nacher Naumburg auf den daselbst fürstehenden Erb-Verbrüderungs-Tag mitnehmen möchten, achten wir dafür, daß wir es den alten Reichs-Brauch nach halten, und die­jenige daheim Haußhalten lassen, sintemahl solches nicht allein zu Erfahrung grosser Unkosten gereichet, sondern auch zu Vorkommung heutiger Nachrede dienlich, daß nicht die Leute sprechen, wir können nicht eine Meile Wegs ziehen, wir müssen die Tasche an der Seiten hangen haben rc. Dat. Cassel den 14. Marrii 1575.

Wilhelm.