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Nachrichtenblatt
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Reichsärztekammer, flerztekammer heften Nassau und Jerztekammer Kurhessen
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Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlan-s, Lanüesstelle Hessen-Nassau un- Lan-esstelle Kurhessen Heft Nr. 2- postversan-ort: Zrankfurt a. M. 2. Oktober 1-37
Die doktorpromotion Senckenbergs
(nach den Akten des Stiftungsarchivs) von Dr. med. A. deBary.
Am 11. September dieses Jahres führte sich zum 200. Male der Tag, an welchem die medizinische Fakultät der jungen Georgia Augusta in Göttingen dem Arzte Johann Christian Senckenberg aus Frankfurt a. M. die Würde eines Doctors der Medizin verlieh. Senckenberg war auch der erste Frankfurter, der an der Göttinger Universität die medizinische Doktorwürde erhielt.
Senckenberg. der damals das 30. Lebensjahr bereits vollendet hatte, hat einen nicht ganz dem Ueblichen entsprechenden Bildungsgang durchsckritten. Wegxn seiner Begabung und seiner Neigung zu den Naturwissenschaften batte ihn sein Vater, der selbst Arzt war, wohl für den Arztberuf bestimmt und seine Vorbildung in dieser Richtung geleitet: diese Absichten wurden aber durch das große Unglück gestört, das die Familie im Jahre 1719 traf, als bei dem großen Stadtbrande auch das Senckenbergifche Haus völlig niederbrannte, und damit die Familie den größten Teil des Vermögens verlor. So konnte der junge Senckenberg nicht, wie seine Altersgenossen, nach Absolvierung des Gymnasiums die Universität beziehen. Er wurde vielmehr, zwecks Erlernung der praktischen Kenntnisse der Heilkunde, zuerst 1726 zu einem mit der Familie verwandten Arzte, Dr. Reich in Laubach geschickt, der ihn mit Erfolg zu naturwissenschaftlichem und medizinischem Denken und Beobackten anleitete. Ein Jahr später wurde er mit Hilfeleistungen bei den Frankfurter Aerzten Büttner und Grambs und bei seinem Vater beschäftigt. Bei Grambs empfing er auch die ersten Unterweisungen in der Anatomie, die für sein ganzes Leben sein besonderes Interesse behalten hat. Gleichzeitig vervollkommnete er sein Wissen in der Botanik, in der er später Aner- kennung als guter Pflanzenkenner und Forscher gefunden hat. Erst nach vem Tode seines Vaters wurde es Senckenberg ermöglicht, im Jahre 1730 das Studium der Medizin in Halle aufzunehmen, wo vorzüglich die Kliniker Hoffmann und Juncker seine Lehrer waren. Nach 2 jährigem Studium kehrte er nach Frankfurt zurück und wurde als Licentiatus medicinae zur ärztlichen Praxis zugelassen. Den Doktorgrad hatte er noch nicht erworben. Neben der jungen Praxis befaßte
sich Senckenberg immer mehr mit wissenschaftlichen Studien, besonders auf dem Gebiete der Botanik und Pharmakologie. Eine Frucht dieser Studien war die Arbeit über die Maiblume und die Heilkräfte derselben, besonders des Samens dieser Pflanze. Diese Arbeit reichte Senckenberg nach mehrjähriger Tätigkeit als praktischer Arzt bei der medizinischen Fakultät der Universität Göttingen ein, wo sein älterer Bruder als Professor dem juristischen Lehrkörper angehörte. Nachdem er in Göttingen Ende August von dem Dekan Professor Richter und den Professoren Haller und Segner förmlich geprüft worden war, fand am 4. September 1737 die Jnaugural-Disputation über das Thema seiner Dissertation statt, und im Anschluß daran sprach Senckenberg dem damaligen Brauche entsprechend, über ein selbstgewähltes Thema. Er hat sich dazu das Thema: „lieber die Frömmigkeit des Arztes" bestimmt. Die akademische Handlung nahm einen günstigen Verlauf, sodaß Senckenberg am Abend die in Göttingen studierenden Frankfurter und einige Freunde mit Wein traktieren und mit ihnen feiern konnte.
Sowohl seine Dissertation, wie auch die Rede enthalten manche Gedanken, die von allgemeinerem Interesse sind.
Das Thema der Dissertation „DeLilii Convallium ejus- que inprimis Baccae viribus“ ist in drei Teile geteilt. Der erste Teil stellt eine Beschreibung des Maiglöck- ckens, seines Vorkommens und seiner botanischen Eigenschaften, Variationen usw. dar, die von heutigen Botanikern als besonders sorgfältig und vollständig bezeichnet wird. Im zweiten Teil beschäftigte sich Senckenberg mit den pharmakologischen Eigenschaften der Pflanze im Ganzen, sowie ihres Samens, deren Bitterstoffe er nach den damals üblichen ckemischen Methoden näher zu prüfen suchte. Der dritte Teil wendet sich der Anwendung der Pflanze bzw. ihres Samens in der Heilkunde zu und empfiehlt ihre Anwendung auf Grund eigener Erfahrungen bei Spasmen und Epilepsie Die Einzelheiten der medizinischen Betrachtungen führen zu sehr in das Gebiet der damaligen Lehrmeinungen über das Krankheitsgeschehen und können hier nicht weiter besprochen werden. Von all-