Anno 1750.

Samstags, den 27. Junii,

No. 102.

JOURNALS-ANHANG.

In Francksurt am Mayn.

Wien, den 17. Junii.

, En 14. dieses haben JhroKayserlich-Ko- ' nigl. Majestät, die regierende Kayserin, unsere Allergnädigste Landes-Fürstin, in Dero Cammer-Capellen zu Schönbrunn der Frauke Alvysia von Maciayr, eine Dame aus Schweden, das Firmungs-Band umgebunden, und Dero eigenen Nahmen, Maria Theresia, bey- geleger, mich selbe hernach mit einem Paar, kost­bahren Diamantenen Ohr-Boucles allcrgnadigst beschenket. Pen dieses sind Jhro Majestät, der Kgyser, nebst Sr. König!. Hoheit, Dero Herrn Binnen, in Gefolff einiger Cavaliere», mittelst chKchWÄ Hof-Post-Pferden, nach Dero Hcrr- WrDhollitsch in Hungarn abgegangen.

Enr anders aus Wien, den 20. Iunn.

Heut sind Jhro Majestät, der Kay,er, mit Ih- rv König!. Hoheit, Dero Herrn Bruder, Herzogen von Lothringen, von Hollitsch in Schonbrunn wie­der zurück angclanget.

Sniirna, den 2 . 6 . April. .

Die Regierung von Algier, so bestandi-g in der Einbildung stehet, daß sie von Seiten Spanien mit einem Angriff bedrohet werde, hat diese Ursach bcy der Pforte so gültig zu machen gewußt, daß sie von demGroß-Sulran die Eriaubniß erhalten, allhicr Bolck anwerben zu lassen, um sich dessen zu ihrer Vertheidigung zu bedienen. Wie nun zu diesem Ende vieLeute versammlet werden, so bringt man selbige sogleich aus Schwedische Schiffe, so sie ge- rad nach Algier führen. Da man aber bey der­gleichen Werbungen unter der Hand an die Aga, in deren Territorio sie geschehen, als eine Wieder- v-rgeltung abgeben muste, so hat sich desfalls zwi­schen dem Pacha von Aydin und dem Aga vonPer- gamo ein Streit erhaben: da, aber die Sache zu Weitläufftigkeiten kommen wolte, und der Aga voraus sähe, daß er bey der Pforte nicht auskom- nien würde, so hat er eine beträchtliche Summe Geldes aufgeopffert, um den Pacha, der ihn bereits

zu Constantinopel angeschwärtzet, wieder in sein Interesse zu ziehen. Bevor aber die Sachen dahin gediehen, ist der Pacha mit einem Corps von 6. bis 7000. Mann in die Gegend dieser Stadt gekom­men und hat allda campirct. Die Primaten, oder Häupter der Regierung haben, um allen Wider­willen von dergleichen Nachbarschafft zu vermeiden, den Pacha bewillkommet und beschencket. Der Französische Consul, Herr von Peyssonel, hat sich zu eben dem Ende in sein Lager verfüget; allein die andere hier refidirende Consuls haben solches nicht vor nökhig erachtet.

Neapolis, den 2. Junii.

Das von Ihrer Majest. unfern König vor eini­ger Zeit ergangene Verbot, daß kein Officier ohne Crlatibniß des Monarchens sich verheyrathen sol­le, wirb so scharff beobachtet, daß, als nur kürtzlich der Bruder des Fstrstens von Stigliano, Brigadier Colonne, mit derWittwedesRitters dePalmasich vermählet, Se. Majestät ohne Anstand besohlen, denselben auf dem Schlosse Bayes in Arrest zu se­tzen, die Dame aber in ein Kloster einzusperren. Weil aber gedachtes Verbot auch auf dieBischvffe dergestalten sich erstrecket, daß sie dergleichen Der- hcyrathungen in ihren Diöcesen nicht gestatten sollen, so ist der Bischofs von Nola, welcher zu erst- berührkerHeyrath seine Einwilligung gegeben, al­lem Ansehen nach ebenfalls nicht leer ausgegan­gen, denn er ist deswegen vor die König!. Cammer gesodert worden, um Red und Antwort wegen ge­brochenen Befehls zu geben.

Turin, den j. Junii.

Den 2. Junii erfolgte bey dem neu-vermahlten hohen Paar durch den Herrn Cardinal desLanees die Priesterliche Benediction erfolget. Sobald als Jhro Majest. der König, mit dem Herzog von Savoyen, von Turin nach Oulx abgegangen, bezog der Herzog von Chablais, der zweyte König!. Prinz, den Pallast seines altern Herrn Bruders. Man glaubt, haß brr Nöm. Kayserl. König!. Minister,