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und einer ihrer ersten Beschlüsse war, unverzüglich die Er­ben des Verstorbenen zusammenzurufen. Hr. Cockerill, sagt ein Biograph, war am 3. April 1790 in der kleinen Stadt Haslington, in der Grafschaft Lancaster, geboren; er war 12 Jahre alt, als sein Vater ihn zu sich nach Verviers be­rief, wo derselbe sich wenige Jahre nach der Geburt jenes seiner Söhne, der, unter dem Namen John, eines Tages eine mehr als europäische Berühmtheit erwerben sollte, nie­dergelassen hatte.

Frankreich.

Paris, 25. Juni. Die Abreise der Deputirten nach allen Richtungen hin wird von der doctrinairen Presse dem Ministerium zur Last gelegt. Allein wenn es auch wahr seyn mag, daß die Minister sich wegen eines Einspruchs gegen solches der rstio der Charte durchaus zuwider- laufendes Verfahren scheuen, indem sie die mühsam errungene Majorität der Deputirten zu verlieren fürchten, so hat sich doch Aehnliches bei jeder Sitzung wiederholt, und man darf wohl nicht den Grund des jetzigen Vorkömmniffes darin erblicken,, als wolle das Ministerium solcherweise eine unbe­dingte Annahme der Gesetzentwürfe, so wie sie vorgelegt werden und ohne Amendements, veranlassen. Nichtsdesto­weniger muß solchen Vorgängen abgeholfen werden, da ja solcherweise die Pairskammer von aller Legislation abge­schlossen und nur zur Einregistrirung der von den Deputir­ten votirten Gesetze bestimmt erscheint. Ein Präservativ gegen die allzuzeitige Abreise der Deputirten könnte aller­dings darin gefunden werden, daß man die Eröffnung der Kammern spätestens zu Anfang November vornähme, wonach denn der Schluß spätestens in die letzte Hälfte des nächsten Mai fallen würde. Weiter müßte das Gesetz harte Strafen gegen diejenigen feststellen, die Paris vor dem Schluß der Session verließen. Eben so wenig dürfte ein Deputirter Paris, ohne Genehmigung des Präsidenten und einer zu diesem Ende eigens constituirten Untersuchungscommission, verlassen. Welche Maßregeln man aber auch trifft, die Haufttriebfeder eines Parlamentes, der Geist, wird sich dadurch nicht herbeischaffen lassen. Man sieht, welche geringe Sympathien der Franzose für die eigentliche Gesetzgebung an den Tag legt, handelt es sich nicht um politische, oder gesellschaftliche Fragen. Nicht den Zustand der Gesellschaft will er verbessern, er will die Gesellschaft unaufhörlich än­dern. Die Negation des Franzosen macht ihn zu allen wahren Reformen untüchtig.

Es heißt, die Taufe des Grafen von Paris werde, obald Hr. Affre das Pallium erhalten, stattfinden.

Toulouse, 22. Juni. Hr. Dubarry, früherer Chef der Präfectur der östlichen Pyrenäen, ist am letztverfloffenen Freitag in einem der Couloirs des großen Theaters ver­haftet worden. Man hat ihn, in Folge eines Mandats des Untersuchungsrichters von Perpignan, nach dieser letztern Stadt gebracht. Hr. Dubarry war auf einen Bericht des Generalpolizei-Jnspectors, der ihn der Erpressung und der Nachsicht gegen die Carlisten beschuldigt hatte,' abgesetzt worden. Der Proccß, welcher gegen ihn angestellt wird, verspricht wichtige und interessante Entdeckungen.

Großbritannien.

London, 22. Juni. DerGlobe" läßt sich von seinem Pariser Correspondenten berichten, daß derAbschließung des vielbesprochenen Handelsvertrags zwischen Frankreich und England sich neue Hindernisse entgegengestellt hätten.

Unter den Passagieren, die neulich von Glasgow nach Neuseeland absegelten, befand sich ein schottischer Häuptling, Glengarry, das Oberhaupt der Macdonnels, welcher ent­weder dort oder in Australien eine Glengarrycolonie anle- gen will. Er hat eine zahlreiche Begleitung von Schäfern

und Ackerbauern aller Art, so wie eine große Heerde schot­tischen Viehs und viele verbesserte Ackergeräthe'mitgenom­men. Sobald er die Niederlassung begründet hat, will er zurückkehren, und den ganzen Clan nebst allen Angehörigen abholen. Der Großvater dieses Glengarry ist der aus Wal­ter Scott's Waverley bekannte Fergus M'Jvor. ,

In der gestrigen Sitzung des Unterhauses hat Lord Palmerston, auf Interpellation Sir Robert Peels, erklärt, die Regierung habe die Interessen der Juden in Aegypten zu Herzen genommen. Er erwarte Depeschen von den Consuln zu Alerandrien und Damaskus. Lord John Rus­sell erklärte, daß die Regierung nicht die Absicht habe, ge­genwärtig eine Maßregel behufs der Emancipation der Juden zu publiciren, da die Judenschaft nicht so bedeutend sey, daß man jetzt zu Maßregeln solcher Art zu greifen brauche. (Die Juden sind wahrlich übel daran. Hier will man sie nicht emancipiren, weil ihrer zu viel sind, dort nickt, weil ihrer zu wenig sind.)

Vom 23. Juni. Die Königin hielt gestern einen Hof zum Empfang der Glückwunschadressen des Gemeinderaths und der Aldermen der Londoner City, welche hierauf dem Prinzen Albert und der Herzogin von Kent ähnliche Adressen überreichten. Abends gab die Königin einen glänzenden Staatsball, den sie mit dem Prinzen Georg von Cambridge eröffnete.

Aus Courvoisiers Geständnissen geht hervor, daß außer ihm Niemand den geringsten Antheil an der Ermor­dung des Lords Russell hatte. Letzterer hatte, wie derGlobe" erzählt, erst am Morgen des Tages, der sein letzter werden sollte, gegen Zeinen bekannten Edelmann geäußert, daß sein Kammerdiener zwar gutmüthig zu seyn scheine, daß er aber fürchten müsse, derselbe sey ein Dieb, da er fortwährend allerhand Sachen von Werth vermisse, seitdem jener im Hause sey.

Zn Plymouth ist gestern das SchiffCh. Grant" mit 2000 Tonnen Thee aus China eingetroffen. Obwohl es die Fahrt um Afrika herum in 110 Tagen zurücklegte , so waren doch die schon vor 8 Tagen über Aegypten einge­gangenen Nachrichten um 10 Tage jünger.

Im Unterhause fragte gestern Lord Stanley, wann die Berathung seiner irischen Registrirungsbill im Ausschüsse ihren Fortgang haben sollte? Lord I. Russell entgegnete, daß er nichts dagegen habe, wenn die Bill für den Freitag (26.) zuerst auf die Tagesordnung gesetzt werde. Die Bill wegen der Mehleinfuhr in Irland wurde hierauf verworfen.

Italien.

Neapel, 16. Juni. (A.Z.) Vorgestern kam ein Dampf­schiff von Malta hier an, welches dem Admiral Stopford die Ordre brachte, die Rhede von Neapel zu verlassen. Noch ' am gleichen Tage segelte er an Bord der Prinzeß Char­lotte mit den übrigen Schiffen, bis auf ein Linienschiff und eine Fregatte, von hier ab. Es wird nun bestimmt versichert, daß die Streitfrage mit England so gut als beendigt sey; ob und wann aber unsere Regierung etwas deßhalb bekannt machen wird, muß dahin gestellt bleiben. Der König ist sehr damit beschäftigt, die Inselbewohner jenseits des Pharo bei guter Laune zu erhalten, und hofft dieß wahrscheinlich durch seine Gegenwart daselbst zu berwek- ken, da er Ende dieser Woche wieder dahin zu gehen beab­sichtigt. Mittlerweile nimmt die Noth und das Elend in dem schönen fruchtbaren Sicilien zusehends überhand und der Handel liegt ganz darnieder. Die Vorräthe von Schwe­fel häufen sich mehr und mehr an, denn es ist unmöglich, daß die Minenbesitzer ihre Arbeiten ganz einstellen; unter­dessen erlaubt ihnen die jetzige Lage der Dinge weder die Ausfuhr, noch den Verkauf ihres Produktes, und gleichzeitig hat die Compagnie Tair alle ihre Operationen eingestellt.