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Frankfurter Ober-Postamts-Ieitung.

Sonntag,

(Beilage zu N" 177.)

28 . Zum 1810 .

Deutschland.

Mannheim, 27. Juni. Gestern Abend um 5 Uhr sind Se. Maj. der König von Bayern in der Rheinschanze (Mannheim gegenüber) eingetroffen und wurden, unter dem Donner der Geschütze, ehrfurchtsvoll empfangen. Allerhöchst- dieselben setzten alsbald Ihre Reise nach Speyer fort.

Speier, 26. Juni. Bon dem lauten Jubel der ge­treuen Pfälzer am Rheine begrüßt, sind Se. Majestät, unser hochgefeierter König, heute Abend 7 Uhr in den altehrwür- diqen Mauern unserer Kreishauptstadt eingetroffen. Aus allen Häusern der Marimiliansstraße flatterten zum Beweise der Liebe und Anhänglichkeit der Pfälzer an ihren Landes­herrn blau weiße Fahnen, auch die früher besprochene ko­lossale auf dem v. Rogifte r'schen Belvedere wehte dem ankom- menden vielgeliebten Monarchen schon in der Ferne freundlich grüßend entgegen. Die studirende Jugend von Speyer brachte dem hohen Mäcen der Künste und Wissenschaften, dem erhabenen Förderer des Jugendunterrichts, einen schön geordneten Fackelzug und überreichte Allerhöchstdemselben ein dieser schönen Feier gewidmetes Festgedicht. ^ Dem Ver­nehmen nach werden Se. Majestät morgen früh von hier nach der Festung Germersheim, so wie nach dem für die Schiffbrücke bei Wörth bestimmten Punkte abreisen und am Abende wieder in die Kreishauptstadt zurückkehren. Möch­ten wir des Glückes theilhaftig werden, den geliebten Mo­narchen einige Tage lang in unfern altehrwürdigen Mauern beherbergen zu dürfen.

Leipzig, 25. Juni. Die Erfindung der Buchdruckerkunst wurde hier gestern, am ersten Tage des Jubelfestes, wür­dig und zur allgemeinen Zufriedenheit gefeiert. Der gestern Morgen aus Berlin im strengsten Jncognito hier einge­troffene Erzherzog Alb recht von Oesterreich sah der Feierlichkeit auf dem Markte vom Balcon des Rathhauses aus zu und beehrte dann noch vor Beginn des Mittags­mahls die Festhalle mit einem Besuche

Stuttgart, 24. Juni. Se. königl. Maj. haben heute dem, aus Veranlassung des Ablebens Sr. Maj. des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen von des jetzt regieren­den Königs von Preußen Maj. an den hiesigen Hof abge­sendeten k. preußischen General v. Prittwitz Audienz zu er- theilen geruht. Auch hat heute der k. preußische außeror­dentliche Gesandte und bevollmächtigte Minister, Oberst v. Rochow, die Ehre gehabt, Sr. Maj. sein neues Creditiv in einer ihm dazu bewilligten Audienz zu überreichen.

Vom 25. Juni. Ihre k. H. die Frau Großherzogin von Baden ist heute Nachmittag um halb 3 Uhr mit Gefolge hier angekommen und im königl. Nesidenzschloffe abgestiegen. Nach einigem Verweilen bei der königl. Familie hat sodann Höchstdieselbe ihre Reise nach Ischl fortgesetzt.

Vom 26. Juni. II. kk. HH. der Erbprinz und die Frau Erbprinzessin von Oranien haben nach einem niehrmonat- lichen Aufenthalte dahier zum Besuche bei der königl. Fa­milie heute Morgen Stuttgart wieder verlassen und die Rückreise nach dem Haag angetreten.

Frankfurt, 28. Juni. Se. königl. Hoh. der Erbprinz von Oranien, nebst Gefolge und Dienerschaft, Se. Hoh. der Herzog Bernhard vonSachsen-Weimar, Ge­neral-Lieutenant in k. nieder!. Diensten, nebst Dienerschaft,

sind hier angekommen und im Gasthof zum Russischen Hof abgestiegen.

^Niederlande.

Amsterdam, 25. Juni. 2^pCt. Jntegr. 53z. 5pCt. Holl. 101z. Kansb. 24. 4zpCt. Synd. 92z 3zpCt. -. - 5pCt. Ost. 99 X V Ard. 24;z. Pass. . 5pEt. Metall. 105J.

Am 23. d. M. Nachmittags sind der Prinz und die Prinzessin Friedrich der Niederlande von Berlin kommend, wieder auf ihrem Landhause Paauw eingetroffcn.

Belgien.

Brüssel, 24. Juni. Der Finanzminister hat den Ver­walter des Schatzes zu Brüssel aufgefordert, die Summe von 2,500,000 fl., als Betrag der am 30. d. M. verfallen­den halbjährigen Rente der Belgien zu Last gebrachten Schuld, zur Verfügung der niederländischen Regierung zu halten.

Gestern Abends fuhr Se. Maj. der König, von Ar- denne kommend, durch diese Stadt nach Lacken.

Der Baron Eduard d'Huart, Mitglied der Repräsen- tantenkammer, ist zum Gouverneur der Provinz Namur und zum Offizier des Leopoldordens ernannt worden; er wird die Ciyildecoration tragen.

Der Dienst des Waarentransports auf der Eisenbahn hat bis jetzt noch nicht die wünschenswertste Regelmäßigkeit und Ausdauer erhalten. Aber bald wird dieser Zustand der Dingo aufhören. Dem Vernehmen nach ist der Be­schluß, der den Waarentransport im Großen und im Detail und bis in die Wohnung vom 1. August nächsthin decretirt, dem Könige zur Unterzeichnung vorgelegt. Das ist ein Versuch im Großen, den die Regierung zu machen Willens ist; gelingt er, so wird man definitiv die neue Transport­weise beibehalten.

Lüttich, 25.Juni. (Tod des Herrn John Cocke- ril l.) Eine beklagenswerthe Nachricht ist gestern Morgens 8 Uhr zu' Lüttich angekommen. Ein von Warschau abge­fertigter Courier hat den vier Bevollmächtigten des Hrn. Cockerill die Nachricht von dem Tode dieses großen Indu­striellen überbracht. Hr. John Cockerill ist am 19. Juni um 7 Uhr Morgens gestorben. Er wurde in einigen Ta­gen durch ein Hirnfieber, im Alter von 50 Jahren, wegge­rafft. Frau Cockerill war in Warschau. Hr. Cockerill war kürzlich in letzterer Stadt angckommen, und am 5. Juni wurde er, wie man sagt, von einer Art Blutschlag getrof­fen, eine Krankheit, die ihn mehrere Male in seinem Leben befallen hatte, und die stets durch seine physischen und mo­ralischen Kräfte besiegt worden war. Während seiner Krank­heit erhielt Hr. Cockerill den Besuch des Fürsten Paökewitsch, Gouverneur von Polen, der ihm gleich den Oberarzt der Armee gesandt hatte. Unglücklicherweise waren alle Hülfs- mittel unnütz. Hr. Cockerill hatte keine Kinder. Man weiß noch nicht, ob er ein Testament hinterlassen hat. Seine Erben sind 13 an der Zahl. Gestern haben seine Bevoll­mächtigten und die durch seine Gläubiger ernannten Com- missare sich gleich versammelt, um über die in Folge dieser traurigen Nachricht zu ergreifenden Maßregeln zu bcrathen