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Nicht lange sollte er sich seiner Ruhe erfreuen, ein bösartiges Augen- ftbel machte ihm Lesen und Schreiben höchst beschwerlich, ein anämisches Leiden ergriff seinen Körper, und endlich traf ihn ein Schlaganfall während seines gewöhnlichen Spaziergangs, dem er nach mehrtägigem Leiden am 2. April 1869 erlag. '
Meyer’s literarische Thätigkeit war in quantitativer Beziehung geradezu staunenswerth, seine Abhandlungen lassen sich nach hunderten zählen. Eine solche Produktivität, die zudem noch neben einer amtlichen Beschäftigung herging, war nur möglich durch eine riesige Leistungsfähigkeit, gepaart mit einem ungewöhnlichen Fleiss und einer wundervollen Organisation der Arbeit. Meyer hat nie etwas liegen lassen, was an ihn herantrat wurde rasch erledigt, Briefe stets umgehend beantwortet; mit Suchen und Nachschlagen hat er niemals Zeit verloren, denn seine Mappen und Hefte enthielten in wahrhaft pedantischer Ordnung den ganzen aufgespeicherten Schatz seiner Beobachtungen.
Eine eigene Sammlung von Versteinerungen besass er nicht. Die grosse Schwierigkeiten bei der Erwerbung von fossilen ’Wirbelthieren und der hohe Preis dieser seltenen Ueberreste konnte bei einem Privatmann mit bescheidenen Mitteln den Gedanken an die Gründung eines eigenen Museums nicht auf- kommen lassen.
Meyer ersann aber einen Ausweg, um diese Materialschwierigkeiten zu überwinden. Auf seinen wiederholten Reisen durch Deutschland, die Schweiz, Holland und Belgien opferte er Tage und Wochen, um Zeichnungen von denjenigen Wirbelthierresten zu entwerfen, die er zu einer längern Untersuchung nicht erhalten konnte. Sobald jedoch seine literarische Thätigkeit begonnen hatte, floss ihm von allen Seiten Material zu, seine Gewissenhaftigkeit in der Behandlung und Rückerstattung anvertrauter Gegenstände, seine unbestreitbare Autorität verschaffte ihm ein so unbedingtes Vertrauen, dass die interessantesten und kostbarsten Funde in seine Hände gelangten und in sorgfältiger Beschreibung und eigenhändiger Abbildung ihren Platz in seinen Mappen fanden.
38 starke Bände in Folio und Oktavformat enthalten mehrere tausende theils schon veröffentlichter, theils noch unpublicirter Abbildungen; für jede
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