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seines Ruhmes stand, war Meyer verschwägert, aber geistig wenig verwandt. Er schildert ihn in seinem Tagebuch als einen witzigen Lebemann, bei dem es bedauerlich anzusehen sei, welche Gewalt er dem Geist und dem Wort anthat, um sich philosophisch auszudrücken.Obschon er sich, wie ich merkte, nicht ungern mit mir unterhielt, so gab er mich doch auf, und er­widerte meine Einwürfe gewöhnlich damit, dass er sagte, ich sei ein Physiker, d. h. ein Mensch ohne tieferen Geist, der an der äusseren Erscheinung hängen bleibt.

Für Alexander v on Humbo ldt, der den jungen, kenntnissreichen Ge­lehrten schätzte, empfand Meyer eine tiefe Verehrung.

Im November 1827 ereignete sich eine für die wissenschaftliche Ent­wickelung Meyers zwar unerhebliche Episode, die jedoch ein so charakteri­stisches Licht auf sein Wesen wirft, dass ich nicht ohne Erwähnung darüber hinwegeilen will.

Ein Nürnberger Kaufmann Johann von Schwarz trug ihm die Leitung eines freilich in den ersten Anfängen befindlichen Instituts für Glasmalerei an; trotzdem hatte Schwarz die Ausführung eines Fensters für den Regens­burger Dom contraktlich übernommen. Meyer war über den Zustand des gerühmten Instituts sehr enttäuscht, allein aus verschiedenen Rücksichten verliess er dasselbe nicht. Mit allen Kräften war er zur Ausführung des

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Auftrages behülflich, mit eigener Hand baute er Oefen zum Schmelzen der Farbenflüsse und zum Brennen der gemalten Glasplatten. Eine Menge Versuche zur Herstelluug guter Farben wurden angestellt, vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeitete er an den Oefen und schliesslich mit dem Pinsel, da er die angenommenen Maler wegen Unbrauchbarkeit hatte fortschicken müssen. Seine chemischen Kenntnisse, sein technisches Geschick und sein Sinn für Kunst kamen ihm in dieser verzweifelten Lage sehr zu Statten. Das Fenster wurde wirklich beendigt und im Regensburger Dom über dem Haupteingang aufgestellt. Die Katharina, der Kopf des Markus und Johannes sind von Meyers eigener Hand nach dem Carton von Schnorr gemalt. Seine Bemüh­ungen wurden schliesslich mit Undank gelohnt und das Verhältniss zu Schwarz im Unfrieden gelöst.

Nach diesem Zwischenfall begann Meyer seine unterbrochenen paläonto- logischen Studien mit neuem Eifer, er besuchte die Eppelsheimer knochen-