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Für unsere Akademie, der er als auswärtiges Mitglied angehörte, hat Meyer stets eine warme Anhänglichkeit gezeigt, zu ihrer 100jährigen Jubel­feier widmete er ihr sein Prachtwerk über die fossilen Reptilien des litho­graphischen Schiefers und noch in seinen letzten Lebenstagen sprach er den Wunsch aus, dass sein reicher und werthvoller literarischer Nachlass nach seinem Tode in den Besitz der hiesigen gelehrten Corporation übergehen möge.

Herr Dr. Hab erlin in Frankfurt, sein ältester und treuester Freund, übernahm diesen Wunsch als werthes Vermächtniss und veranlasste die Erben bu dessen pietätvoller Erfüllung.

Als mir von der hohen mathematisch-physikalischen Classe der Auftrag ertheilt wurde, das Andenken unseres ausgezeichneten Mitgliedes durch eine Festschrift zu verherrlichen, da glaubte ich trotz mancher gewichtiger Bedenken mich dieser Aufgabe nicht entziehen zu dürfen. Die grossen Verdienste des Verstorbenen um die Wissenschaft und seine besonderen Beziehungen zu unserer Akademie forderten gebieterisch, dass ihm von unserer Seite der schuldige Tribut der Dankbarkeit gezollt werde, und mir als dem einzigen offiziellen Vertreter seines Faches lag zunächst die Pflicht ob, dieser Anforderung zu entsprechen. Leider war es mir nicht vergönnt gewesen, den Verstorbenen von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen, ein eigenthümliches Missgeschick hatte mehrmals unsere Begegnung vereitelt; noch zuletzt im Frühling 1869 reiste ich seiner brieflichen Aufforderung folgend nach Frankfurt, um mehrere Angelegenheiten mit ihm zu besprechen, allein beim Eintritt in seine Vater­stadt begegnete mir ein Freund, der den plötzlich vom Tod hinweggerafften Forscher eben zur ewigen Ruhe geleitet hatte !

Ausser der persönlichen Unbekanntschaft wurde meine Aufgabe noch durch den Umstand erschwert, dass das spezielle Arbeitsgebiet, welches sich Meyer erwählt hatte und das er wie kein Zweiter beherrschte, nicht mit dem ' meinigen zusammenfällt, dass ich den Zauber desselben gleichsam nur bei einer flüchtigen Durchwanderung empfunden, nicht aber bis ins Einzelne ergründet habe. Da übrigens eine kritische Stellung zu den wissenschaftlichen Leistungen Meyers nur wenigen ebenbürtigen Forschern zustände, so befinde ich mich bei der Beurtheilung und Werthsehätznng seiner Arbeiten insoferne in einer verhältnissmässig günstigen Lage, als ein Theil seines untersuchten Materials