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Auch die Thiere bringen, wenn sie in großer Zahl immerfort denselben Weg wandern, gewisse Straßen zu Stande. Allein jedes aufstoßcnde Hin- derniß ändert die Richtung des Weges ab. Auch bey Menschen ist leztres oft der Fall.
Um so weniger werden Thiere ganz gerade Straßen anlegen, oder werden ihre Wanderstraßen in sanften, regelmäßigen Krümmungen fortführen. So etwas sezt Zweckvorstellung und den festen Willen voraus, durch saure Mühe in der Gegenwart sich eine möglichst angenehme Zukunft zu gründen.
So will nun Hr. Gr. eine Menge wie Gitterwerk untereinander (nach geraden Linien) verbundener, solcher Waldlichtungen beobachtet Haben.
2. Diese Straßen sind vollkommen zweckmäßig angelegt, dadurch daß sie den nächsten Weg und zu bestimmten Stationen, so wie von einem großen fruchtbaren Theil (einem bisher sogenannten Meere) zum andern führen.
Daß man sich bey Anlegung gerader, durch große Waldgegenden gehender, Straßen bewußt seyn müsse, daß unter allen Wegen zwischen zwey Punkten der gerade der kürzeste ist, und daß man nur auf geraden die weiteste Aussicht hat, — dieß sezt Zweckvorstellungen voraus, die bey Thic- ren nie zur Klarheit kommen.
Bey kurzen Wegen fand er die Gebirge als bestimmte Stationen, zu denen sie führen. Längere sind aus künstlichen Waldlichtungen, langen Klüften oder Flußbetten - ähnlichen Gebilden zusam- mengesezt rc. Nun weiset er nach, wie die verschiedenen Meere auf dem Monde auf diese Art als verbunden von ihm beobachtet worden sind.
3 . Solche große, zum Theil nur mit unglaublichem Aufwan de von Arbeit hervorgebrachte, itinerarische Kunst
werke sind ohne Cibllisation der Selen iten ganz unmöglich.
„Der uncivilisirte Mensch (wenigstens der auf unsrer Erde) läßt sich seine eigenliebische Meinung so wenig, als die Wahl, in eignen Angelegenheiten zu handeln, rauben. Nur Jener, welcher alle Vortheile der Civilisation zu berechnen vermag, oder sich von denselben durch Erfahrung überzeugte (oder, der durch dieselbe eingeführten Zucht folgt), fügt sich auch in das Commando eines Straßenbaudirektors, durch welchen allein die Einheit und Regelmäßigkeit eines itincrarischen Kunstwerks zu Stande kommt.
(Die Fortsetzung folgt.)
Altes und Neues aus dem Schatz mathematischer Wissenschaften zum Scherz und rnst.
(Fortsetzung Nr. 127.) u.
Die Am erikaner scheinen nie bestimmte Begriffe von der Mathematik gehabt zu haben; vor ihrer Verbindung mit den Europäern waren ihnen nur die zu den Bedürfnissen des Lebens unentbehrlichen mechanische» Künste bekannt. Man hat sogar ein Volk — die Aamas am Amazonenfluß — gefunden, das nicht weiter als bis drey zählen konnte, und diese Zahl mit einem achtsylbigen Worte P oktararori nkuro ak ausdrückre. Ein solcher unbehülflicher Name allein ist fähig, ein Volk in seiner ganzen Entwickelung aufzrchalten.
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Von vier Bauern A, B, C, D besizt jeder einen Acker, der ein Dreyeck bildet, dessen eine Seite 5o Ruthen, und die zweyte Seite auch 5 o Ruthen lang ist. Die dritte Seite aber ist bey A 60 Ruthen, bey B 70 Ruthen, bey C 80 Ruthen und bey D 90 Ruthen lang. Nun tauschen A und C ihre Accker miteinander, und ebenso B und D. Wer hat bey dem Tausche an Flächeninhalt gewonnen?
(Die Fortsetzung folgt.)
Verlegt von der I. T. Cotta'schen Buchhandlung. Verantwortlicher Redakteur C. E. Andre.