Nro. iZ2.
H e g pc r u s.
Mittwoch 2. Juni 1824.
Die kolossale Stadt im Monde.
(Fortsetzung Nr. izl.)
8. Colossaler, unfern Städten nicht unähnlicher, Bau in: Monde.
„Es war am 12. Julius Morgens nach halb vier Uhr, im Jahre 1822, als, kurz nach dem lczten Viertel, die Lichtgränze über den westlichen Rand des Clavius, des Mondflecken Schröters und des Newton (Sehr.) ging, da ich zum erstenmale in der westlichen Hälfte des oben erwähnten dunkeln Mondflecken Schröters mit yomaliger Vergrößerung meines ausnehmend guten Frauenhofer- schen Tubus von 29 Linien Oeffnung und 3 o Zoll Brennweite sah, was Schröter und Herschel mit ihren Riesentckeskopcn nicht gesehen haben.
Zur Zeit dieser meiner Entdeckung war noch obendrein die Luft so wenig ruhig, daß ich meinen fünffüßigen Achromat nicht anwenden konnte, um das Ganze deutlich übersehen, und davon eine Zeichnung aufnehmen zu können; zudem war ich zu diesem Geschäfte von der Wichtigkeit der Entdeckung zu sehr ergriffen.
Erst am 23 . Okt. 1822, Abends 6 Uhr, als die Lichtgränze mitten durch Plato, Eratosthenes und Clavius ging, beym ersten Viertel die Scharten gegen Ost sich wandten, der Flecken Schröters an der Lichtgränze stand, der Nordpol sein Horn westlich und der Südpol cs um einige Grade östlich batte, waren alle Umstände so, um durch den großen Tubus alles Einzelne in diesem kolossalen Kunstwerke deutlich wahrzunehmen und durch den 3ozollr- gen Tubus mit yomaliger Vergrößerung abzuzcich- nen *); denn mit 272maliger Vergrößerung (die
*) Man sehe die Abbildung N. I3i.
das Detail ganz gab) flog im großen Tubus der Gegenstand nur so durch das Feld, und er konnte nur zur Berichtigung schwieriger Merkmale dienen. Seitdem habe ich diesen merkwürdigen Bau mebrmal gesehen und dabey die Abbildung revidirt; aber ich fand, kleine durch Zeit und Fibration gebrachte Schattenunterschiede abgerechnet, ihn immer mit der Zeichnung übereinstimmend. Es zeigt sich dieses plastische Werk nicht blos an der Lichtgränze in dieser Gestalt, sondern auch zu andern Zeiten; denn am 9. Febr. 1824, Abends 6 Uhr, als Heraclides Falsns an—und Lansberg ins und Bla nca- nus in der Lichtgränze standen (leztere also bereits 20° davon sich entfernt hatte), sah ich, mit 90>nal. Vergrößerung des 3 ozolligen Tubus und bey rrübli- chcr Luft, dennoch alle erhabene Walle mit etwas hellerem Schatten vorragen. Und es zeigen diese Beobachtungen genugsam, daß, da ich zur Zeit des ersten und lezten Viertels und zwischen durch mehrmal hier immer wieder Dasselbe gesehen hatte **), dieses kein Trugbild seyn könne.
Dieses Kunstmonument befindet sich im 8° der östlichen selenographischen Lange, und im 6ten Gr. der nördlichen Breite und macht das westliche Dritt- theil des oben bereits erörterten Mondflecken Schröters aus. **). Es soll in folgenden Nummern naher beschrieben und erörtert werden.
*) Obue Zweifel <utdb ich dieses wunderbare
Werk übersehen haben, batte ich nicht schon, von Jugend an, diesen dunkeln Flecken sür den bewohntesten Theil des Mondes angesehen, und meiner besouderu Aufmerksamkeit werth gehalten.
**) Man sehe die Abbildung, welche die Einrichtung bat, daß sie im kleinern Style gezeichnet ist und durch eine eigene Einfassung die Lage und den Umfang des Kärtchens der Stadt selbst zeigt.
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