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JENAISCHE

ALLGEMEINE LITERATUR-ZEITUNG

DEN 23 MÄRZ, 1806.

M E D I C I N.

N euefi e Schriften über G alls Sch a d eilehr e.

(Vergl. J. A.L. Z. 1S05. N. 7 9).

1) Berlin, b. Unger: Dr. GalVs Vorlefungen über die Verrichtungen des Gehn ns und die Mög­lichkeit, die Anlagen mehrerer Geifles- und Ge- müthseigenjchaften aus dem Baue des Schädels der Menjchen und Thiere zu erkennen. Herausgegeben von H. G. C. v. Selpert. 1S03. 124 S. 8* (I2gr.)

2) Magdeburg, b. Keil: Ausführliche Darfiel- tung des GaWfchen Syflems der Schädellehre. Nach den neueften Vorlelungen des Hn. D. Gail bearbeitet. 1805. 112S. 8- (12 gr.)

3) Berlin, b. Schöne: Ideen zu einer künftigen Beurtheilung der Gall'fchen Unterfuchungen über die Verrichtungen des Gehirns mit befonderer Rückficht auf die Bergk'fchen Bemerkungen und Zweifel über diefe Theorie, von F. F. Flemming, prakt. Augenärzte in Berlin. 1805. 74 S. 8« (8gr.)

4) Erfurt, b. Hennings: Dr. jjjfofeph GalVs Sy- fiem des Gehirp- und Schädelbaues nach den bis jetzt über feine Theorie erfchienenen Schriften. Als Leitfaden bey akadem. Vorlefungen darge- ftellt von Th. Ferd. Kajetan Arnold, D. d. WW. u. RechtswifT. Mit einem erläut. Kupfer. i8o;5* 304 S. 8. (I Rthlr. iogr.)

5) Dresden, b. Arnold: Dr. F. fjf. GalVs Lehre über die Verrichtungen des Gehirns nach dejfen zu Dresden gehaltenen Vorlefungen von einem unbefangenen Zuhörer. Mit 1 Kupf. 1805. XVI u. 152 S. 8- (16 gr.)

6) Daf.: Deflelben Buchs zweyte verm. und ver­helf. Auflage. Von Karl Aug. Blöde, kurf. fächf. Fi­nanz-Sekretär. 1806. XX u. 187S. mit 1 Kpft. (i8gr.)

7) Berlin, b. Schöne : Beleuchtung der GalVfchen Gehirn- und Schädellehre durch Verminft und Erfah­rung geleitet, von einem von aller Parteylich- keit freyen Beobachter, für Arzte und Nicht­ärzte. Mit 1 Kupfer. 1805. VIII u. 288 S. gr. 8» (1 Rthlr. 4gr.)

8) Heidelberg, b. Mohr u. Zimmer: DieGalV- fche Hirn -, Schedel - und Organenlehre, vom Ge­fickt s punkte der Erfahrung aus beurtheilt und wi­derlegt von |}. F. Ackermann, kurf. bad. geh. Ilofrath , d. Anat. u. Phyfiol. Prof, zu Heidelberg. 1806. 13 Bog. 8- (1 Rthlr.)

Es wäre eine arge Satire auf Deutfchland, wenn der Beyfall, den GalVs Syftem hier gefunden hat, §r. A. L. Z. 1806. ErfterBand.

nicht von folchenLeuten gezollt worden wäre, deren Lob und Tadel in diefem Punkt durchaus gleich viel gilt. Ob ein reifender Schaufpieldichter, ob ein pe- dantifcher Ausrufer im Freymüthigen, ein Pagen-Stu- dien - Director, ein Finanz-Sekretär, ein Doctor der Rechte, ob alle unfere eleganten Herren und Damen ein anatomifch - phyfiologifches Syftem für wahr oder falfch halten, macht nichts aus; eben fo wenig ift auf die Stimme der mehreften praktifchen Ärzte zu achten, welche gewöhnlich die Anatomie nicht genau ftudirt haben, und von denen das genauefte Studium aller Theile diefer Difciplin auch nicht zu fodern ift. Ein folches Studium, als die Beurtheilung jenes Sy- ftems vorausfetzt, darf man nur von dem Lehrer der Anatomie und Phyliologie erwarten, der mit Eifer feinem Fach obliegt; nur von ihm kann die Gallfche Hypothefe in ihrem ganzen Umfange gewürdigt wer­den. Bisher haben erft wenige Anatomen ein Unheil ge geben: die Vf. von No. 7 und 8, Rudolphi in feinen Reifebemerhmgen , und G. Walter in feinem Etwas r* über GalVs Schädellehre; alle diefe Schriftfteller ha-j ben beftimmt dagegen gefprochen. Man hat Waltern die Heftigkeit vorgeworfen , womit er fleh gegen Gail V, erklärt hat; man hat daraus den fonderbaren Schlufs gezogen, dafs er Unrecht habe; allein man bedachte nicht, dafs W. nie fonderlich an Urbanität gewöhnt war, und dafs es einem im anatomifchen Studium ergrauten Mann kränkend feyn mufste, in feiner Ge­genwart eine Theorie mit Lob überhäuft zu fehen, deren Falfchheit ihm einleuchtete. Wenn je Indignation zu verzeihen ift, fo ift es hier, und es wird fchwer- lich jemand auftreten, der das Gegentheil von Wal­ters mehreften Behauptungen zeigen könnte.

Das Umfaflendfte und Treffendfte über GalVs Hy­pothefe hat Ackermann in der Schrift No. 8 geliefert, die Rec. daher als Leitfaden bey feiner Beurtheilung benutzt. Im 1 Abfchnitt widerlegt der Vf. GalVs irrige Vorftellungen vom Hirnbau, die ältere Schriften ähn­lichen Inhalts noch nicht kannten, da Gail erft in neueren Zeiten auf diefe Hypothefe gekommen ift. Reil und Loder haben zwar erklärt, dafs fie Gall's Entdeckungen in der Anatomie des Gehirns bewun­dern; allein man wird irre, wie diels möglich war, wenn Loder zugleich fagt (in Bifchofs Vorrede zu fei­ner Schrift über Gail, und in der Schrift No. 6 - S. 173) dafs er fleh jehäme und ärgere, feit fall dreyfsig Jah­ren, hunderte von Gehirnen wie einen Käfe(!t) zerfchnitten zu haben. Wie kam ein Anatom zu einem folchen Bekenntnifle, der Vicq d'Azyr's uwey und zwanzigfte Tafel in feinen Tabellen hat nachftechen B bbb

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