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den, anfangs sich sehr über diesen Verlust gramen, fast trostlos sind, und mager werden, endlich aber selbst mit Munterkeit ihr Schicksal ertragen, werden diejenigen, die solche Unglückliche mit Aufmerksam­keit beobachtet haben, als eine zweyte Thatsache ken­nen. Nimmt man nun als eine wahrscheinliche Vermuthung an, daß die Sehehügel im Hirne die durchs Gesicht erhaltenen Ideen aufbewahren, so läßt sich die zweyte Thatsache leicht durch die erste er­klären. Anfangs nämlich so ^ange nach dem Ver­luste des Gesichts, die Sehehügel noch dem gesunden Zustande näher sind, sind auch die Ideen des durch die Augen empfundenen Vergnügens lebhafter, folg­lich der Gram über die Unfähigkeit zu fernerem Ge­nüsse dieses Vergnügens sehr groß; allmählig aber, wie die Sehehügel mehr zusammenschrumpfen, diese Ideen dunkeler und die Nückerinnerungen an das ge­nossene Vergnügen zum Theile selbst unmöglich wer­den, ertragen die Blinden mit Gelassenheit und selbst Munterkeit ihr Schicksal. So ist vielleicht noch man­ches grobe sichtliche Veränderung des Hirnes, was man gemeiniglich der Macht der Gewohnheit zu­schreibt 3 !

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509. Michaelis in Großes Magazin für die Na­turgeschichte des Menschen,. 2. Band.

tz) Im zweyten Stück der Hessischen Be pträge zur B b 2