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Wollte man erinnern, dafs vielleicht der Alcohol etwas von der Substanz der Blase auflösle und in sich aufnähme, dadurch vielleicht consistenter oder dicklicher würde, folg­lich weniger tief das Araeometer einsinken liesse, so mufs ich bemerken, nicht nur, dafs ich ein und dieselbe Blase wohl zwanzigmal nach einander gebraucht hatte, ohne wahrzu­nehmen, dafs gleich nach dem zweytenmale der Alcohol anders als nach dem zwanzigsten- male beschaffen gewesen wäre, sondern auch, dafs alles Gesagte ja nur von dem aus der Blase gekommenen, nochmals destillirten Weingeiste gilt.

Ja selbst der beste, feinste Rheinwein nimmt, durch den Aufenthalt in einer nach der angegebenen Vorschrift zubereiteten Kalbs- oder Rindsblase über der Capelle, keine fremde Farbe, Geruch oder Geschmack au. Dieses beweist folgender, von meinem Sohne zuerst an gesteh ter, Versuch.

Weisser Nierensteiner Rheinwein vom Jahrgange i8o4 ward in einer Kalbsblase, mit welcher er zusammen 25k Lotli wog, hinter einen geheitzten eisernen Ofen den 4ten Februar 1822 gehangen.

Nach vier und zwanzig Stunden hatte er in der Blase einen Finger hoch abgenommen und wog i4 Loth. Also waren 9-! Loth, oder über ein Drittel des Ganzen, verdiinstet.

So weit die Blase mit Wein angefüllt war, hatte sie einen säuerlichen Wein-Geruch; auch gab sie auf der daran gehaltenen Zunge einen säuerlichen Weingeschmack, von wel­chem an dem obern leeren Theile nichts zu spüren war. Sie fühlte sieli jedoch durchaus ganz trocken an. Nur so hoch als der Wein stand, war diç Blase ein wenig weicher, und nach ausgegosseuem Weine, eben so w r eit, auch dunkler gefärbt.

Der Wein halte nicht den mindesten Geruch oder Geschmack von der Blase autre- nominell. Im Vergleiche mit demselben, nicht verdiiusteteu Weine, war er an Farbe etwas dunkler, roch weit aromatischer, schmeckte milder und doch kräftiger, auch weit weniger säuerlich.

Den 16ten December 1822 wurden zehn Unzen Jamaica Rum von 58 Graden in einer auswendig zweymal, inwendig einmal mit Hausenblasen-Auflösung überzogenen Kalbsblase nahe au denselben Ofen gehangen.

Den 22slen December (nach sechs Tagen) wog er sieben und drey Viertel Unzen und war 76gradig. Also nach Verlust von 2^ Unzen war er 18 Grade stärker,

§ 18. .

Die Brauchbarkeit dieser Methode für jeden noch so kleinen Haushalt leuchtet in die Augen.-- Jedermann vermag sich sonach aus dem geringsten, .schlechtesten Branntwein, iri wenig Tagen, ohneDestiÜir-Apparate, an jedem Ofen, in jeder Küche, ohne Umstände den besten-, zu mancherley Zwecken z. B. für jede Lampe zum Brennen, zur Bereitung von Firnissen, brauchbaren Spiritus oder Alcohol zu bereiten.

§ *9-

Um das durch die Häute der Blase bey diesen Versuchen in unsichtbarer Gestalt Ver­dunstende aufzufangen, tliat ich, dem Gedanken meines Sohnes zu Folge, den 17ten De-

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