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schien, um dem müden Greise seinen letzten Wunsch, einen sanften Tod, zu gewähren. An einem heiteren Tage, den 2 . März i83o; während die Sonne ihn freundlich beschien, horte er plötzlich zu athmen auf und beschloss ohne Kampf, ohne seine freundliche Miene zu verändern, im fünf und siebenzigsten Jahre den Lauf seines thätigen Lebens.
Wenn wir bisher SÖmmerring auf seiner glücklichen Lebensbahn begleitet und ihn am Abend seines Lebens von ganz Deutschland geschätzt, verehrt und gehuldigt erblickt haben, so wollen wir, bevor wir zur vollständigen Aufführung seiner Schriften übergehen, die vortreffliche Characteristik mittheilen, womit Dr. Döllinger in seiner Gedächtnissrede auf SÖmmerring, die er in der königlichen Academie der Wissenschaften zu München den 2 5. August i83o gehalten, und welche ich zur Abfassung dieses Artikels vorzüglich benutzt habe, ihm ein dauerndes Monument gesetzt hat. «Wenn wir auf das Gesagte zurück blicken, so kann es uns nicht entgehen, wie zwischen dem, was von den vorzüglichsten Leistungen Sömmerrings in der Literatur bisher angeführt wurde, und zwischen den Hauptperioden seines ehrenvollen Lebens, eine be- merkenswerthe Harmonie obwaltet, wodurch seinen Werken und Schriften nach den verschiedenen Zeiten, in denen sie erschienen, das Gepräge eines eigenthümlichen Characters aufgedrückt wird. Was in Beziehung auf einen vereinzelten Gegenstand eindringendes Forschen mit Darstellungsgabe gepaart zu leisten im Stande ist, hatte beim Schlüsse der Lehrjahre SÖmmerring in seiner Inaugural-Dissertation gezeigt; mit welchem Scharfblick der lehrende Meister das ganze Gebiet seines Faches übersah, davon giebt uns sein Werk, vom Bau des menschlichen Körpers, einen vollgültigen Beweis; die hohe Vollendung der Werke von den Sinnorganen lässt uns auch den vollendeten Mann erkennen, in welchem alle Geisteskräfte zu innerem Gleichgewichte gekommen sind, und das Bewusstseyn der errungenen Meisterschaft jedem Beginnen Ruhe und Haltung verleiht; die späteren Bemühungen deuten auf den Trieb hin, die ganze Natur zu umfassen, und jedes sich darbietende Naturgeheimniss zu ergründen; ein Begehren, welches gar leicht in einem Geiste erwachen konnte, dem es in