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aasspricht. So vorbereitet bezog SÖmmlrrmg die Universität Göttingen, wo er den Unterricht Baldingers und Wrisbergs genoss und einer der ersten Schüler Blumenbachs wurde, der damals kaum seine academische Laufbahn als Docent begonnen und jetzt als Nestor der deutschen Naturforscher seinen Freund und Zögling überlebt. Nicht erst viel versprechend, schon viel leistend, beschloss SÖmmerring seine academischen Studien. Nicht gar lange zuvor hatte sich Cam­per gegen Albin beklagt, dass man noch keine genaue Kenntniss des Zusam­menhangs der Nerven mit den Gehirntheilen habe. SÖmmerring strebte das zu erfüllen, was zwei so grosse Kenner als Bedürfniss der Anatomie ausgesprochen hatten, und mit welchem Erfolg er in seiner Inaugural - Dissertation de basi encephali et originibus nervorum cranio egredientium, die er am 7. April 1778 zu Göttingen vertheidigte, diese Aufgabe gelösst, ist allgemein bekannt. Schnell breitete sich der Ruhm des Werks und seines Verfassers in Europa aus, so dass als Vicq dAzyr einige Zeit darauf die Anatomie des Gehirns malend und be­schreibend darlegte, er sein kostbares Werk durch die wichtigsten der von SÖmmerring gegebenen Abbildungen zu zieren glaubte, weil man nichts vol- kommeneres zu geben im Stande sey. SÖmmerring besass das dem Anatomen durchaus nothwendige Talent, seine gemachten Entdeckungen durch Abbil­dungen eben so sicher als lehrreich zur allgemeinen Kenntniss zu bringen, in hohem Grade, und die drei Kupfertafeln, welche seine Dissertation zieren, sind von ihm selbst nach der Natur treu uiid lehrreich gezeichnet.

So aufs ruhmvollste mit dem academischen Lorber gekrönt, machte SÖm­merring eine Reise nach England, wo er in Edinburg bei Al. Monro Anatomie hörte, dort präparirte und sich vorzüglich mit Injiciren der Lymph-Venen be­schäftigte. In London besuchte er vorzüglich die Vorlesungen der beiden Brü­der W. und J. Hunter. Nachdem er zwei Jahre den Unterricht dieser durch ihren Untersuchungsgeist und durch die Originalität ihrer Ansichten ausge­zeichneten Männer genossen, ging er über Holland nach Hessen Cassel, wo er am Collegium Carolinum, im Jahr 1779, als Professor der Anatomie angestellt wurde. Auf dieser Reise hielt er sich bei P. Camper in Franecker auf, der ihn