98 Zehntes Kapitel. Krankh. Erscheinungen re.
Verwachsung des Leber - oder des gemeinschaftlichen Gallenganges muß anhaltende Gelbsucht hervorbringen, weil sie von einer Ursache herrührt, die nicht gehoben werden kann. Diese ist schwer von der Gelbsucht zu unterscheiden, welche von einem verhärteten oder knoti-, gen Zustand der Leber herrührt, denn auch diese Ursache der Gelbsucht ist im Allgemeinen bleibend. Wenn der Gaüenblasengang nur verwachsen ist, so findet keine Gelbsucht statt, und wahrscheinlich auch nur wenig' Uebelbefinden, wenn nicht vielleicht die in die Gallenblase eingeschloffene Galle endlich chre ihäute reizt. In diesem Falle kann Etttzündung erregt werden, die in Eiterung übergehen kann. Ich sah ein Geschwür der Gallenblase, welches wahrscheinlich aus dieser Ursache entstand.
Wenn Gallensteine in der Gallenblase bleiben und kein Versuch gemacht wird, sie durch den Gallenblasen- und gemeinschaftlichen Gallengang abzutreiben, so entsteht daraus nur sehr geringes Uebelbefinden. Oft findet man nach dem Tode Gallensteine in der Gallenblase, wo man während des Lebens auch nicht den geringsten Verdacht ihres Daftyns hatte. Gehen sie aber durch die Gallengänge, und sind sie noch obendrein groß, so entsteht gewöhnlich das Gefühl von heftigen Schmerzen in der Magengrube; die Kranken beschreiben in diesem Falle ihre Schmerzen als weit heftiger, wie bey irgend einer heftigen Entzündung der empfindlichsten Therle des Körpers. Sie schreyen oft laut auf und drehen und winden ihren Körper in verschiedenen Stellungen. Fühlt man den Puls während dieser heftigen Schmerzen, so ist er bisweilen nur im geringen Grade beschleunigt, gewöhnlich ist er nicht schneller als im gesunden Zustande, bisweilen sogar langsamer. Zugleich sind Mattigkeit, Uebelkeit und Erbrechen zugegen, und die