Krankhafte Erscheinungen an der Harnblase. 179
im Umfange vergrößert, so erhalten sie eine dunklere Farbe. Auch kenne ich kein anderes Beyspiel im Körper von einem Muskel, der so viel über seinen natürlichen Umfang, als Folge von vermehrter Anstrengung, vergrößert würde, als Die Mnskelhaut der Harnblase. Zwischen den Bündeln der Muskelfasern, werden von der inner» Haut, kleine Taschen gebildet. 38 9 ) Dieses kommt vom Druck des Urins gegen die innere Haut der Blase, welcher durch die starken Kräfte der Muskelhaut angetrieben wird. Diese Taschen sind oft weit genug, um das Ende eines Fingers aufzunehmen, und enthalten gelegenheitlich Steinchen. Die Blase laßt sich in diesem Zustande nur wenig ausdehnen, so, daß sie auch nur wenig Harn zu halten vermag; daher ist der Trieb, Harn zu lassen, häufig, und öftere Anstrengungen der Muskelhaut werden erfordert, welche immer mehr und mehr ihre Dicke vermehren. Es ist weit gemeiner, diese Erscheinung der Blase, im männlichen als weiblichen Geschlecht zu sehen; weil im letzter» weniger Ursachen, die dieß Hervorbringen, vorhanden sind. Dem weiblichen Geschlecht fehlt die Vorsteherdrüse gänzlich, und da die Harn- Röhre kurz und weit ist, so treten selten Verstopfungen ein. Ist die Muskelhaut der Harnblase verdickt, so glaube ich, hat man dieß bisweilen irrig für einen Scirrhus angesehen.
Steine* 39 °)
Steine werden nicht selten in der Harnblase gefunden,' und sind in Ansehung ihrer Erzeugung auf keine besondere
289) Ich fand ebenfalls solche Taschen,' doch ohne daß die Muskelhaut verdickt gewesen wäre.
290) Ueber die Harnblasensteine hat matt unzählige Beobach, tungen; denn gewiß qiebt's keine Sammlung von kranke» Lheilen des menschlichen Körpers, noch irgend eine Sammlung von Beobachtungen, wo nickt Falle davon vorkamen.
Ich will nur einige der vorzüglichsten Schriftsteller und der besten Abbildungen anführen:
Verduc, Traitc des Operations de Chirurgie, sah eittC»
Harnblasensiein von drey Pfund und drey Unzen.
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