Neuntes Kapitel.

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ihrer Substanz oder in einem Sacke eingeschlossen liegen; allein gelegenheitlich sind sie an der äußern Oberfläche der Leber befestigt, hangen von ihr hinab, und nehmen mehr oder weniger von der allgemeinen Höhle des Unterlei­bes ein.

Der Ursprung und die wahre Natur dieser Wasserbla­sen, ist nicht völlig bekannt; äußerst wahrscheinlich ists je­doch, daß sie eine Art unvollkommner Thiere sind. Es ist außer allem Zweifel, daß die Wasserblasen in den Lebern derSchaafe, Thiere ftiiD , 2 8 3 ) man hat sie sich oft bewegen gesehen, wenn man sie aus der Leber nahm und in warmes Wasser legte; sie behalten diese Fähigkeit zur Bewegung, viele Stunden lang nach der Schlachtung eines Schaafs. Auch ist die Analogie zwischen den Wasserblasen in den Le­bern eines Scliaafs und eines Menschen sehr groß. Beyde sind in starken Sacken enthalten; beyde bestehen aus dersel­ben weißen, breyigen Materie. Doch, ist ohne Zweifel einige Verschiedenheit zwischen ihnen in der Einfachheit ih­rer Organisation; die Wasserblase in der menschlichen Leber, ist ein einfacher, einförmiger Sack; die Wasserblase in der Schaafs leb er, hat einen Hals und Mund, der vom Sack hinabhangt; dieser Unterschied ist kein unbedeutender Ein­wurf gegen die oben angeführte Meynung. Leben läßt sich mit der einfachsten Form von Organisation verbunden den­ken; zum Beweise hievon dient, daß man in den Hirnen derSchaafe, Wasserblasen findet, die vollkommen denen in der menschlichen Leber gleichen, welche man sich bewe­gen sah, und von denen man mit Gewißheit weiß, daß sie Thiere sind. Die Wasserblasen in der menschlichen Le­ber, hat man freylich, so viel mir bekannt ist, nicht sich bewegen gesehen, wenn man sie aus dem Körper nahm und in warmes Wasser legte; würde dieß geschehen, so würde kein Zweifel übrig bleiben. Es ist nicht schwer, ei-

283) Man sehe hierüber die trefflichen Abbildungen bey Götze in feinem schon angeführten Werke von den Eingeweide­würmern nach.