Neuntes Kapitel.
136
ihrer Substanz oder in einem Sacke eingeschlossen liegen; allein gelegenheitlich sind sie an der äußern Oberfläche der Leber befestigt, hangen von ihr hinab, und nehmen mehr oder weniger von der allgemeinen Höhle des Unterleibes ein.
Der Ursprung und die wahre Natur dieser Wasserblasen, ist nicht völlig bekannt; äußerst wahrscheinlich ists jedoch, daß sie eine Art unvollkommner Thiere sind. Es ist außer allem Zweifel, daß die Wasserblasen in den Lebern derSchaafe, Thiere ftiiD , 2 8 3 ) man hat sie sich oft bewegen gesehen, wenn man sie aus der Leber nahm und in warmes Wasser legte; sie behalten diese Fähigkeit zur Bewegung, viele Stunden lang nach der Schlachtung eines Schaafs. Auch ist die Analogie zwischen den Wasserblasen in den Lebern eines Scliaafs und eines Menschen sehr groß. Beyde sind in starken Sacken enthalten; beyde bestehen aus derselben weißen, breyigen Materie. Doch, ist ohne Zweifel einige Verschiedenheit zwischen ihnen in der Einfachheit ihrer Organisation; die Wasserblase in der menschlichen Leber, ist ein einfacher, einförmiger Sack; die Wasserblase in der Schaafs leb er, hat einen Hals und Mund, der vom Sack hinabhangt; dieser Unterschied ist kein unbedeutender Einwurf gegen die oben angeführte Meynung. Leben läßt sich mit der einfachsten Form von Organisation verbunden denken; zum Beweise hievon dient, daß man in den Hirnen derSchaafe, Wasserblasen findet, die vollkommen denen in der menschlichen Leber gleichen, welche man sich bewegen sah, und von denen man mit Gewißheit weiß, daß sie Thiere sind. Die Wasserblasen in der menschlichen Leber, hat man freylich, so viel mir bekannt ist, nicht sich bewegen gesehen, wenn man sie aus dem Körper nahm und in warmes Wasser legte; würde dieß geschehen, so würde kein Zweifel übrig bleiben. Es ist nicht schwer, ei-
283) Man sehe hierüber die trefflichen Abbildungen bey Götze in feinem schon angeführten Werke von den Eingeweidewürmern nach.