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Achtes Kapitel.

Bauchfells und wird ein Bruch genannt. Gemeiniglich kommt er von irgend einer schnellen und heftigen Erschüt­terung des Körpers, wo die schwachem Theile der Wände des Unterleibes nachgeben; auch fcheint-mir, diese Krank­heit sey häufiger bey fetten als bey magern Leuten: dieß geschieht durch die Vergrößerung des Umfanges der Einge­weide/^^) welche deshalb mit mehr Stärke gegen die Sei-

als ich mir's in den anatomisch - pathologischen Demon­strationen zum eigenen Geschäfte machte, über diese so ge­meine Krankheit, meinen Schülern anschauliche Begriffe zu verschaffen.

i9S) Oft werden die Theile des Unterleibes, auch ohneVergrö- ßerung, bloß dadurch vorgerrieben, daß man durch eine Zusammenpressung der Bauchhöhle sie gegen einen druck- fteyen Theil preßt. Daher entstehen, meines Erach­tens, bev vielen Kindern durch die angelegten sogenannten Nabelbinden, die man in hiesigen Gegenden, aus ungegrün­deter Vorsicht, selbst nocheineIeitlang nach dem abgefallenen! Reste des Nabelstrangs anlegen läßt, sehr häufig Brüche; ^rrnd zwar auf eine doppelte Art.

Erstens umwickelt man den Rest des Nabelstranges mit einemLäppchen; unter selbiges bringt man sodann eine bis sechsfach zusammengelegte Leinwand, und über selbige noch die Nabelbinde, wodurch nothwendig bey jeder Bewegung des Kindes, durch den Rest des Nabels, wie ich oft genug sah, die ganze Gegend herausgezerrt, und ein wahrer Bruch erregt wird, der freylich anfangs nur den Augen von Sach­verständigen sichtbar ist. Daher sah ich ganze Familien, wo alle Kinder Nabelbrüche bekamen, die von Wartfrauen auf diese Art behandelt wurden. Dieses war, wie gan; begreiflich ist, ehedem weniger gefährlich, wo die Kinder fest eiugewickelr wurden, als jetzt, wo man sie, wie billig, nur locker umhüllt. Wenn man also das letztere unterläßt, sollte man auch das erstere unterlaßen, und den Nabel- strang, ohne Unterlegung einer Compresse, verbinden.

Zwevtens wird durch sie gerade dieMrtte, das ist, der­jenige Theil des Unterleibes, der derNatur nach am weich­sten, freyesten und beweglichsten seyn sollte, weil er bey Attfüilung des Magens und der Därme sich lercht sollte aus­dehnen lassen, bey Ausleerung derselben hingegen sich zu­sammen ziehen sollte, zusammengedrückt und die Einge­weide gegen die druckfreyen Stellen vorgetrieben, welche, wenn sie nachgeben und ausgedehnt werden, dasjenige be­wirken, was man einen Bruch nennt-

Daher entstehen durch hoch über den Unterleib hinauf reichende Beinkleider Brüche im männlichen Geschlechts; der Bauch wird nämlich zusammen geschnürt, und die Ern-