Erstes Kapitel.

Kränkliche Erscheinungen am Herzbeutel.

Herzbeutel ist der Entzündung unterworfen. Ob­gleich diese Krankheit nicht sehr gemein ist, so kommt sie oft genug vor, um hinreichende Gelegenheit zu geben, ihre Wirkungen nach dem Tode zu untersuchen. Diese Krank­heit kann ihrer Natur nach, auf keine besondere Lebens- Periode eingeschränkt seyn; doch sollte ich glauben, nach dem was ich gesehen habe, daß sie öfter im Mittlern Alter als in der Kindheit oder in hohem Alter statt findet.

Ein entzündeter Herzbeutel ist gemeiniglich dicker, und wie mich dünkt, auch etwas weicher als im natürlichen Zu­stande. Diese Veränderung kommt von einer durch die ver­mehrte Wirkung seiner feinen Blutgefäße auf ihn abgelager­ten Materie; auch findet sich auf ihm eine ungewöhnliche Menge feiner Blutgefäße, welche rothes Blut enthalten, und häufig zusammenmünden. x ) Auf der Innenseite des

i) Ich besitze einen entzündeten Herzbeutel, an dem sich die gleichen Erscheinungen zeigen. Er gehörte einem Menschen von ungefähr zwanzig Jahren, der am zu spät entdeckten Heimwehe mit Anfällen von Wahnsinn starb, und sonst keine Abweichungen in seinem Körper, als diese Krankheit am > Herzen zeigte. Er ist ebenfalls dicker, auswendig rauher, und zugleich merklich weiter, als gewöhnlich, weil zwischen ihm und dem Herzen einige Unzen gelblich eiteriges Blut- wasser enthalten waren. Seine auswendige Flache ist ebenfalls mit der beschriebenen Materie bedeckt, die hin und wieder Flocken bildet.

Merkwürdig ists, daß sich in diese aus der gerinnbaren Lymphe gebildete Membran vom Herzbeutel her allmählig kleine Arterien erstreckten.

Sehr schön bildet diese Erweiterung, Verdickung und inwendige Rauhigkeit des Herzbeutels in natürlicher Größe

Nb G. Walter für les Maladies du Coeur, in den Nou- veaux Memoires de lAcademie des Sciences k Berlin 1785. Seite 57. Tab. IV. Fig. 3.: *

Baitte's Anatomie. A