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Erhält man nun äuch schickliche Leichen, so entsteht eine andere Schwierigkeit: das Auge nämlich so aus seiner Knochenhöhle zu bringen, dafs der Augapfel nicht leidet, bevor ihn unmittelbar das Messer aufs leiseste berührt. Behende und doch behutsam mufs daher die Ausnahme geschehen.

Eine dritte Hauptschwierigkeit macht das Medium, in welchem man den Augapfel untersucht, und dem Zeichner und Mahler zur Nachbildung vorlegt. Legt man den Augapfel in Wasser, so bleibt er zwar prall, und mehrere Stundenlang durchsichtig: allein sobald man ihn einschneidet, quellen die Häute auf und verdicken sich in wenig Minuten. Legt man ihn in schwachen Weingeist, so trüben sich eben so schnell die durchsichtigen Häute und Feuchtigkeiten, falls auch nicht zugleich die Häute sich merklich verdichten. Untersucht man den Augapfel in der Luft, so sinken die straffgefüllten Häute beym Durchschneiden zusammen und verunstalten alles.

Um so nöthiger ist es, jeden Theil des Augapfels, sowohl in der Luft als unter Wasser, unter Weingeist oder Oel zu betrachten, und einen Umstand nach dem andern so zu berichtigen, dafs man nach einer mittleren Schätzung diejenigen Formen der Theile so viel möglich zu erreichen trachtet, welche sie wirklich im Leben besitzen.

Es würde ins Kleinliche fallen, wenn man alle die Handgriffe von aufspannen, aufrichten, trocknen, von aufblasen, anheften, unterstützen, wenden und drehen, von aussprützen, frieren lassen, und so ferner schildern wollte, deren man sich zu bedienen hat, um jenen Zweck zu erreichen.

Hat man sich über das Gröbere hinausgearbeitet, so erschwert nicht wenig die genauere Bestimmung einer idealischen Normalform, die grofse Mannigfaltigkeit der Augäpfel selbst. Ich übergehe die Verschiedenheit des Augapfels nach dem Alter, ohngeachtet sie,- wenn man auch nur die einzige Linse in der i3ten i4tenund löten Figur betrachtet, so grofs ist, dafs sie wohl nicht auffallender seyn könnte. Ich über­gehe die Verschiedenheit eines fernsehenden, von einem nahesehenden Auge, um nur an die erstaunliche Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Farben der Blendung zu erinnern. So auffallend als die Farben der Blendung des Augapfels von einander abweichen, so auffallend sind oft durchaus die Augäpfel in allen übrigen Theilen verschieden. Im Allgemeinen sind die Augäpfel desto dünnhäutiger, je blasser die Farbe ihrer Blendung ist; desto dickhäutiger, je dunkler die Farbe der Blendung. Je dunkler das Auge, desto geringer pflegt die Anzahl der Fältchen im Faltenkranze zu seyn. Gemeiniglich sind grofse Augäpfel dünnhäutiger als kleine.

Um dieses recht anschaulich zu machen, wählte ich zur ersten und zehnten Figur, die fast gleiche Theile abbilden, Augäpfel, die gar sehr verschieden waren.

Aber