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beseelen, und selbst noch einen guten Theil hnter der Oberfläche sollte ihn der Künstler mit dem Pinsel, Meifsel und Grabstichel begleiten, um zu erfahren was es ist, was theils durch die Oberfläche durchschimmert, theils die Oberfläche selbst so mannigfaltig verändert.

In solcher Hinsicht ist die wahre Zergliederungskunst kein so unangenehmes, widerliches Studium, als sie gemeiniglich durch die Schuld derjenigen, die sie sp zweckwidrig und geschmacklofs treiben, angesehen wird.

Um so mehr mufs man die mit attischer Vollkommenheit geendigten Meisterstücke des grofsen Albinüs zur Nachahmung empfehlen; äufserst wenige haben sie erreicht, keiner übertroffen.

Indessen kann ein solches Ideal, oder eine Normalform irgend eines Theiles nicht füglich für jedes Geschlecht, oder für jede Nation gleich gut passen. Ein männliches Auge pafst zu seinem Gesichte und übrigen Körper. Ein europäisches Auge pafst zu seinem Gesichte, übrigen Körper und gemäfsigten Klima; und würde nicht so gut zum Negerkopfe, Negerkörper und Negerklima passen.

Ich habe mich daher bemüht, diese Unterschiede aufzufinden, und so viel möglich sinnlich darzustellen.

Unterschiede im Aeufseren des Auges zwischen dem männlichen und dem weiblichen Auge.

Ein ausgezeichnet männliches Auge unterscheidet sich von einem ausgezeichnet weiblichen, nicht nur durch eine, absolut genommen, ansehnlichere Gröfse seines Apfels, und vorzügliche Stärke der übrigen ihm angehörigen Tb eile, sondern auch selbst im Aeufseren durch manche verschiedene Verhältnisse in der Form seiner Theile.

Dafs diese Unterschiede schon den alten griechischen Künstlern bekannt, und bey Fertigung ihrer schönsten Statuen beachtet waren, lehrt, unter andern, auffallend die Vergleichung der Augen des Apollo Pythius mit den Augen der Mediceischen Venus, von denen wir vorzüglich die trefflichen Nachmessungen und Abbildungen des Gerard Audran besitzen.

Selbst der Urstoff der Haut, woraus die Augenlieder bestehen, ist nach dem Geschlechte verschieden: beym männlichen Geschlechte nämlich gröber, lockerer* poroser, runzlicher, blutreicher, defslialb röther, wärmer und gewissermafsen trockener; beym weiblichen hingegen feiner, zäher, dichtfaseriger, glätter, weniger blutreich und deshalb blässer, kühler und gewissermasfen feuchter. Doch ist diese Verschie-