2
§• 2 ‘
In meiner Schilderung *) des Ornithocephalus antiquus lon- girostris führte ich aus meines grofsen Lehrers und Freundes Blu- menbach drey verschiedenen Schriften die Stellen wörtlich an, welche der, im ehemaligen Hagen’schen Cabinet zu Nürnberg, im Jahre 1783 von ihm gesehenen, schlanken, nach der Länge an einander artiltulirten Röhrenknochen, im Solenhofer Kalkschiefer gedenken, und seinem Urtheile zufolge, ohne Zweifel, einer grofsen, Südindischen, dem fliegenden Hunde ähnelnden Fledermausgattung zugehörten.
Da mir nun alles daran lag, diese Röhrenknochen mit eigenen Augen zu betrachten, mit dem bis jetzt ganz einzigen Stücke in der Sammlung unserer Akademie vergleichen und eben dadurch diese höchst wichtige Autorität für meine Deutung desselben auf ein Säuglhier gewinnen zu können, gab ich mir seit dem Jahre 1810 alle Mühe auszuforschen, wohin dieses Petrefact des ehemaligen Hagen’schen Cabinets gerathen seyn möchte.
Nach sieben Jahre langem, vielfältig vergeblichem Nachfragen erfuhr ich endlich, dafs dieses Stück aus dem Hagen’schen Cabinet an Hrn. G ach et kam, welcher von Sulz nach Dieuse, von da nach Beileva 11 x und zuletzt nach Douay gezogen war, und seine sehr ansehnliche Naturalien - Sammlung vor 27 Jahren an den damaligen Fürst-Bischof zu Constanz für das in Mörsburg befindliche Cabinet überlassen hatte. Als darauf im Jahre 1802 das Bisthum Constanz an Baden fiel, ward von Mörsburg diese Naturalien - Sammlung nach Carlsruhe gebracht, und der dortigen grofsherzoglichen Sammlung einverleibt **).
§• 3 *
*) Denkschriften der k. Ak, d.Wiss. zu München für die Jahre 1811 u. 1812. §.28.
* i: ) Freundschaftliche Unterstützung bey diesen Erkundigungen verdanke ich Hrn, v. Kocher zu München, Ilrn. Prof. Lauth und Hrn. Ritter v. Gimbornat z\i Strafsburg, Hrn. Gachet zu Douay, Hrn, Rheineck zu Memmingen, Hrn. Hofrath YValdinan zu Mörsburg, ganz insbesondere aber viele Bemühungen Hrn. Dr. Lobstein zu Slrafsburg.