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Abbildung ist so eingerichtet, dafs sie als ein Stück aus einer vollständigen Abbildung der Arterien des Antlitzes betrachtet.werden mufs.

Da die Arterien der Augenlieder in dem Körper, welchen ich zur Abbildung wählte, mit einer dünnen Materie ausgesprützt waren; so erscheinen sie daher in ihrer natür­lichen Gröfse und Richtung, folglich weder übermäfsig ausgedehnt, noch ungewöhn­lich geschlängelt.

Man sieht, dafs die Augenlieder sehr reichlich mit Arterien versorgt werden, und dafs jeder, noch so kleinen Stelle derselben, fast aus allen möglichen Richtungen sehr bequem Blut Aiströmt. Um nur die vier vorzüglichsten Richtungen zu bezeichnen, so erhalten sie, wie man hier deutlich wahrnimmt, Gefäfse von oben , durch die Schläfearterie, k. von unten , durch die Unteraugenhöhlarterie, z. von innen, durch die Augenarterie, C.

von aufsen, durch die Schläfe- und Queerantlitzarterie , F. G.H.I.

Man sieht ferner, dafs diese Arterien, häufig, mit ansehnlichen Aesten zusam­menmünden, und dafs sie, wegen ihrer schlangenförmigen Windungen, den unauf­hörlichen, schnellen, und selbst heftigen Bewegungen der Augenlieder ganz leicht ohne Störung des Blutlaufs nachgeben können.

Da der Hauptring der Arterien ziemlich tief im ausgesteiften, wulstigen Rande der Augenlieder geschützt liegt, so kann auch selbst die nachdrücklichste Pressung, deren der Schliefsmuskel nur fähig ist, den Blutlauf nicht stören, geschweige gar hemmen.

Vor allen Dingen liefs ich es mir angelegen seyn, dafs der ganz eigene Typus des Verlaufs der Zerästelung und der Zusammenmündung der Arterien der Augenlieder aufs genaueste in dieser bildlichen Darstellung erreicht würde.

Vergleicht man diese Abbildung der Arterien mit der Abbildung der Nerven in der zweyten Figur, so wird man besonders am unteren Augenliede wahrnehmen, wie sich die Arterien nach der Richtung der Nerven bequemen; vorzüglich auffallend sieht man die Zerästelung der Arterie u . der Nervenverbreitung ähneln.

Auch benutze ich diese schickliche Gelegenheit, um allgemeiner den Satz meiner Muskellehre mittelst dieser Abbildung anschaulich zu machen, nämlich,dafs meistens sich mehrere Arterienstämmchen unter sehr verschiedenen Winkeln in die Muskeln begeben, ehe sie zwischen sie selbst hineintreten, sich in Aestchen theilen, die darauf bey fernerer Theilung bald mit ihren häufig untereinander verbundenen Zweigen und Reisern der Richtung der Muskelfasern folgen, so, dafs nach gut gerathenen Aus­spritzungen der Blutgefäfse, der gröfste Theil eines Muskels unter dem Vergröfserungs- glase aus Blutgefäfsen zu bestehen scheinen könnte.

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