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Thränendrüse angeführt habe, die Stelle nach horizontaler Durchsägung der Augenhöhle eines ganz frischen Kopfes, so wird man es gewifs nicht vermissen.
Richtiger als bey meinen Vorgängern scheint mir die Abbildung, die ich von dem gänzlich rein präparirten Knorpel der Rolle beyfiige«
Richtiger als bey meinen Vorgängern scheint mir auch die Abbildung des Piunzlers der Augenbraune. Da dieser Muskel ganz ungemein in seiner Gröfse und Gestalt variirt, wie ich bey eigens wiederholten Präparationen desselben fand; so w r ählte ich unter mehreren Abbildungen, die ich davon besitze, diejenige aus, die ihn aus einem sehr fleischigen starken Mannsantlitze in einem vorzüglichen Grade von Vollkommenheit darstellt.
Betrachtet man diese Figur genauer, besonders die vierte*, so kann man sich einen deutlichen Begriff machen, wie die Abgrezungen der Knochen durch so zarte Nähte auf eine bewunderungswürdige Art dazu dienten, um dem wachsenden Augapfel seinen Behälter angemessen zu machen, und sobald er nun seine Gröfse erreicht hat, ihm Festigkeit zu verschaffen.
Sollte man gegenwärtige Beschreibung und Abbildung der Knochen der Augenhöhle zu umständlich oder zu genau finden, so würde ich dagegen nicht nur im Allgemeinen bemerken, dafs man die Werke der Natur nicht genau genug abbilden kann, sondern noch insbesondere in Erinnerung bringen müssen, dafs man diese Knochen nicht genau und subtil genug darstellen kann, weil von ihnen gerade, wie von den Gebälken eines Gebäudes, die Enge und Weite des Sehefeldes, das Zurückgeschobene oder Herausgetriebene des Augapfels, das Flache oder das Vorspringende der Augenbraunen, die Liänge und die Kürze der Augenliederspalte, das offene oder das gedrückte äufsere Ansehen des Auges, kurz die mehrere oder mindere Schönheit dieses vorzüglich belebten geistreichsten Organes abhängt.
Kränklichkeit des Gesichtsorganes, die von einer Misbildung der Augenhöhle abhängt, werden hierbey gar nicht einmal in Anschlag gebiacht.
Erste Figur.
Vorderer Theil der oberen Hälfte eines horizontal durchschnittenen männlichen Türkenschedels. Der Schnitt ward so geführt, dafs er die rechte und linke Au^en- 1 höhle in eine ziemlich gleiche obere und untere Hälfte theilte. Die obere Flälfte wird auf dieser Tafel; die untere Hälfte auf der dritten Tafel dargestellt, so, dafs die Umrisse der Augenhöhlen, die in der vollkommen gleichen Ebene liegen, in beyden Tafeln aufs genaueste zusammenpassen.
a» Durch-