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Neunzehnte Figur.
a. Drey Scheibchen oder Blättchen eines Segmentes der Linse (Siehe Fig. 18. a.), die sich durch fortgesetzte behutsame Einwässerung endlich in Fasern, p. Fibern oder Fädchen an den freyen Rändern p. p. p. p . zu trennen anfangen. Ohngeachtet eine Linse, bey solcher Behandlung nach dem Tode, sich in Kugelsegmente, Blättchen und Fasern zerlegen läfst;, so folgt daraus noch gar nicht, dals defshalb die Linse im frischen Zustande oder im Leben, aus solchen Fasern, Blättchen und Kugelstücken besteht, oder dafs im Lieben, im gesunden Zustande der Linse, ein solcher zeolithartiger Bau der Linse Statt findet.
Manche Säfte unsers Körpers nämlich zeigen, sobald sie gerinnen, ein ähnliches faseriges Wesen. Wer kennt nicht das strahlig faserige Wesen eines zersägten Harnblasen- oder Gallensteines? Allein noch mehr, ich habe Blut vor mir, das ich in der Hohlvene am Herzen eines Embryo fand, der im Weingeist gelegen hatte, welches nach der Austrocknung ein vollkommen gleiches strahlig faseriges Ansehen erhielt.
Auf die nämliche Art also, wie sich dieses Blut nach dem Tode, durch Gerinnung zu einem strahlig faserigen Wesen veränderte, verändert sich auch die Linse nach dem Tode. So wenig man also behaupten kann, dafs das Blut vor der Gerinnung und Aufhebung in Weingeist diese strahlig faserige Beschaffenheit hatte; eben so wenig kann man behaupten, dafs die Linse des Auges im Leben vor der Gerinnung und Aufhebung in Weingeist einen solchen faserigen Bau habe.
Denn überhaupt unterscheidet sich auch in andern Rücksichten .eine gesunde Linse im Leben von einer in Weingeist aufgehobenen so sehr, dafs sie gerade entgegengesetzte Eigenschaften zu erhalten scheint.
Eine gesunde Linse im Lieben nämlich ist Eine Linse in Weingeist ist ganz undurch-
vollkommen durchsichtig, sichtig,
farbelofs — — — — milchweifs oder opalartig schillernd,
klebrig ■ • — — — erdig, trocken, spröde,
weich, wie schmelzendes Gummi härtlich, brüchig.
Ich halte diese kleine Ausschweifung für nöthig, um auch an diesem Beyspiele zu zeigen, dafs man nicht vorsichtig genug seyn kann, dafs man sich nicht oft genug erinnern kann, um nicht Beschaffenheiten der Theile unsers Körpers nach dem entwichenen Geiste auf den Zustand im Leben irrig überzutragen. Kurz, so wenig eine gesunde Linse im Leben undurchsichtig, milchweifs, spröde und härtlich scheint; so wenig scheint sie im Leben aus Fasern zu bestehen. W 7 as jene vier ihrer lebendigen Beschaffenheit entgegengesetzte Eigenschaften bewirkt, bewirkt auch diese fünfte entgegengesetzte Eigenschaft der Faserigkeit.
ERKLAE-