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der Zerschneidung umgelegt oder gerunzelt hatten. Abbildungen, dergleichen die ,Mahler und Zeichner Studien zu nennen pflegen, scheinen mir in kein Werk zu gehören, das von der natürlichen Beschaffenheit des menschlichen Auges handelt. Die unzähligen Fehler in den Zeichnungen, die durch unrichtige Behandlung, Ungeschicklichkeit, Unwissenheit oder Flüchtigkeit des Zergliederers entstehen, übergehe ich mit Stillschweigen, eben weil sie unzählig sind*

Zu dieser Bemerkung nöthigten mich insbesondere drey Ursachen: Erstens die Besorgnifs, dafs wenn Zergliederer meine Abbildungen auf dieser Tafel mit der Natur vergleichen, und Manches auf den ersten Blick auffallend anders finden möchten, sie verleitet werden könnten, zu glauben, ich hätte die Sache unrichtig dargestellt. Z. B. wenn sie die sechste Figur mit der dritten, siebenten und achten Figur dieser Tafel, und mit den Figuren der dritten und achten Tafel vollkommen Zusammen­treffen finden; hingegen in den meisten Abbildungen von gleichen Präparaten und in eigenen Präparaten eine Planbuttenform bemerken; so wird sie geringes Nach­denken sogleich überzeugen, dafs unmöglich eine Hanbuttenform, sondern nur die Form der sechsten Figur richtig seyn kann. Oder wenn sie in der siebenten und achten Figur dieser Tafel die Blendung platt und eben, nicht vorgetrieben und gewölbt^ wie in ihrem übrigens völlig gleichscheinenden Präparate, finden; so zeigt die Prüfung dieses Punktes in einem frischen unzerschnittenen völlige Durchsichtigkeit seiner Hornhaut noch besitzenden Augapfel, sobald man ihn unterWasser im Profil betrachtet, dafs meine Abbildungen und nicht Präparate, diesen Umstand richtig, das ist, so wie er im Leben Statt findet, darstellen. Solche Zergliederer mufs ich also ersuchen, ehe sie ein Urtheil fällen, erst, wie ich zu Werke ging, zu verfahren, und ohne vorgefafste Meynung, den Umstand mehreremale von verschiedenen Seiten, und mittelst verschiedener Methoden zu prüfen.

Zweytens veranlafste obige Bemerkung die Beobachtung, dafs selbst treffliche Zergliederer, in den neuesten Zeiten, Gestalten, die blofs durch gewisse Zurichtung entstanden, für ganz natürliche im Leben Statt habende Gestalten ansahen, und dem gemäfs beschrieben. Z. B. die in der zweyten Figur abgebildeten Runzeln oder Falten der Markhaut, die das Centralloch verhüllen, beschrieb man als natürlich, da sie doch blos alsdenn erst entstehen können, wenn inan die Markhaut zerschneidet, folglich dadurch zum Runzeln und Falten bringt; hingegen schlechterdings sich nie zeigen, wenn man die Markhaut wie in den Originalen zur vierten, fünften und sechsten Figur möglichst unverletzt zu erhalten sucht.

Angesehene Physiologen wurden in den neuesten Zeiten verleitet, die Grenze der Markhaut weiter vorwärts als sie sich in der dritten, vierten, fünften und sechsten

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