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ERKLAERUNG
DER
FÜNFTEN TAFEL.
Diese, unter des berühmten Herrn Poli’s verständiger Leitung zu Neapel von Scarpati vortrefflich gestochene Tafel, zeigt die feinen Theile des Augapfels, bis auf die zwölfte Fi gur, in natürlicher Gröfse und Lage, theils miteinander verbunden, theils voneinander abgesondert.
Die genaue Ausmessung, richtige Bestimmung und endliche Darstellung der verschiedenen Durchmesser des Augapfels, sowohl im Ganzen, als in seinen Theilen, die gehörige Abzeichnung der wahren Dicke der verschiedenen Häute, die Nachbildung des wahren Charakters des Baues, oder der eigenthümlichen Struktur der einzelnen Häute, wie sie wahrscheinlich im Leben beschaffen sind, zeigten manche zum Theil nicht vorherzusehende Schwierigkeit.
Um die genauen und im Allgemeinen richtigen Verhältnisse der Formen auszufinden und darzustellen, die für einen gewöhnlichen Bau im mittleren Zustande oder als Richtschnur dienen konnten, war es nothwendig, nicht nur vorzüglich schickliche Augen im frischesten Zustande in hinreichender Anzahl zu untersuchen, sondern es war auch erforderlich, manche mühsam zu Stande gebrachte Abbildung zurückzulegen, und so oft verändert von neuem mahlen zu lassen, bis sie diesen Zweck erreichte#
Eine Hauptschwierigkeit besteht darin, dafs ein Augapfel nach dem Tode sich oft in wenig Stunden schon so sehr verändert, dafs er selbst zu gröberen Ausmessungen untauglich wird. Zum Beispiel: bleiben die Augenlieder nach dem Tode Stundenlang offen, so verdunstet die wäfsrige Feuchtigkeit in dem Grade, dafs die Hornhaut sich verdunkelt und zusammenschrumpft;. Hierdurch erscheint sie undurchsichtig, statt durchsichtig; concav, statt convex; schlaff, statt prall; lederhart;, statt knorpelich weich; zähe, statt elastisch. Schliefst man die Augenlieder gleich nach dem Tode, und verfährt dabey nicht vorsichtig und verständig, so verdirbt man noch mehr. Folglich sind nur solche Gelegenheiten zu benutzen, wo die Augen mit dem Tode sich von selbst schlossen. Ohne die frischen Augen eines im Wasser verunglückten jungen Mannes behutsam zu untersuchen, hätte ich vielleicht nie das Centralloch der Markhaut entdeckt.