die Gefahr beym zu hoch gemachten Blasenstiche über den Schambeinen, sich beym Blasenstiche durch den Mastdarm vergröfsert, braucht wohl keine Erörterung, falls der Patient in lezterem Falle lange genug lebte, um die Folgen davon zu erfahren.
§• 4 8 *
Die eigentliche Erreichun g des Zweckes, warum man den Blasenstich unternimmt, ist an sich schon weit vollkommener, bey gleich erwünscht gelungener Operation des Blasenstichs über den Schambeinen, als bey der durch den Mastdarm. Dieser Zweck ist doch wohl kein anderer, als den Harn wirklich aus dem Leibe wegzuschaffen, und nicht blos ihm gleichsam nur einen neuen Behälter zu verschaffen? Ersteres geschieht durch den Stich über den Schambeinen, lezteres durch den Stich durch den Mastdarm» Bedenkt man noch dazu, dafs meistens in den Fällen, welche den Blasenstich nothwendig machen, die Blase, mehr oder weniger, besonders bey Männern von hohen Jahren, grofser Lebens»Con- sumtion und arthritischer Constitution kränkelt, folglich der Urin von Seiner Nörmalbeschaffenheit abweicht; so ists um so nachtheiliger, ihn einem dafür nicht geschaffenen Theile, dem Mastdarme nämlich, zum Ansammeln aufzubürden. Im Normalzustände ferner bleibt der Mastdarm abwechselnd, Stunden lahg frey und leer, nach dem Blasenstiche sickert unaufhörlich, auch neben dem aufs beste eingelegten Röhrchen in jeder Lage des Körpers, der Harn aus seiner Blase in den Mastdarm, und belästiget und reizt ihn nicht Wenig. Murray ®), der gröfste Lobredner des Blasenstichs durch den Mastdarm, gesteht: „der Harn geräth selbst nach gehobenem Hindernisse in der Harnröhre, noch immer durch die gemachte neue Oeffnung in den Mastdarm»”
ä) Diss. chirurgica de paracentesi eystidis nrinStiafc. Ups. 1771; übets^fct sowohl im 4 ten Stücke der neuen Sammlungen der auserlesensten Abhandlungen für Wundärzte, Leipz. 1784, als in J. J. Römers Abhandlungen der Schwedischen Aerzte. 1 Th. St. Gallen, 1785.
8 *