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liert seinen sogenannten Tonus, die Empfindungsfähigkeit der Nerven verringert sieb, alle Häute werden dürrer, trockener und starrer. Nach Len tin wird daher die-bevorstehende Blasenlähmung oft lange genug vorher angekündigt, durch Schwäche im Kreuz, schnurrenden, strauchelnden Gang und hervorgestellte Kniee im Gehen. Man kann hierbey fast allemal voraussetzen, dafs eine namhafte Entstellung im Rückenmarke, und den von hieraus und vom Kreuzbein zur Blase gehenden Nerven, SLatt finde. So schleicht sich denn allmählig auch in den Muskelfasern, in den Gefäfsen, den Nerven, und dem Zellstoffe der Harnblase eine Schwäche, ein Torpor ein, welcher sie unfähig macht, dem Willen fernerhin , mit der Fer. tigkeit, wie in jüngeren Jahren, zu gehorchen.
Die Harnblase, für den gewöhnlichen Reiz des Harnes nicht mehr so empfänglich, als ehedem, giebt also aus Unvermögen, dem durch die Harnleiter einrinnenden Harne gleichsam als ein halb abgestorbener Muskelsack nach, und läfst sich dadurch oft ganz ungeheuer ausdehnen. Herr v. Haller sah eine Harnblase, in einem starken Trinker, welche wohl zwanzig Pfund Wasser fassen konnte. Frank a ) fand die Harnblase gleichsam einen Hydrops ascites vorstellen ; zwölf Pfund Harn giengerj... durch den Gatheter auf einmal ab, ungeachtet er ihn doch nicht alfe ' wegnehmen liefs.
Ich kann hier die Abbildung einer bis in die Herzgrube hinauf ungeheuer ausgedehnten Harnblase, von W. H u n t e 4 b ), ihrer Richtigkeit und Schönheit wegen, nicht unerwähnt lassen, w^eil sie die Harnblase nicht herausgenommen und isolirt, sondern in einem (freylich weiblichen) Körper in ihrer Lage und Verbindung zeigt.
Diese Ausdehnung der Harnblase, bemerkt Baillie c ) , kann von einem ziifälligen Umstande kommen, wo sich der Harn ansammelt,
o) Oratio de Sigtus morborum ex corporis situ partiumque positione petendis. Ti- enu 1700.
V) Anatome Uteri gravidi. Tab. XXVL e) On morbid Anatomy. Chap Xiy,