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Blasenlähmung.
(Paralysis v e s i c a e. )
§. ,3 a.
Cxewissermassen konnte man sagen, dafs die eigentliche für sich bestehende Blasenlähmung, die dem Blasenkrampfe entgegengesezte Krankheitsform darstelle.
Wenn nämlich die Harnblase im Krampfe sich jeder Ausdehnung aufs kräftigste und nachdrücklichste widersezt, so gestattet sie solche in der Lähmung aufs ohnmächtigste und nachgebendste. Wenn die Harnblase im Krampfe aufs heftigste schmerzt, so scheint sie, wenigstens anfangs, bey der Lähmung fast empfindungslos “).
Wenn Blasenentzündung und Blasenkrampf plötzlich entstehen, so 'Schleicht sich dagegen Blasenlähmung im hohen Alter langsam herbey.
Zubkr 1 ) , oder vielmehr sein berühmter Lehrer Lobstein, unterscheidet bey der Blasenlähmung die Lähmung ihres Körpers, von der Lähmung ihres Schliefsmuskels, oder eigentlich doch wohl nur ihres Halses. Ist nämlich die ganze Harnblase bis auf ihren krampfhaft zusammen- gezogenen Hals gelähmt, so erfolgt Harnverhaltung; ist hingegen der Hals der Blase allein gelähmt, so erfolgt Unvermögen, den Harn zu halten.
§. 33.
Dafs die Blasenlähmung oder die paralytische Urinverhaltung, wie sie Richter nennt, vorzüglich eine Krankheit des hohen Alters seyn müsse, überzeugen uns sowohl Theorie als Erfahrung. Mit dem hohen Alter nämlich nimmt überhaupt die Erregbarkeit des Organismus, insbesondere die Reizbarkeit der Muskelfasern allmählig ab, der Zellstoff ver-
а ) Lektins Beiträge zur ArzneyWissenschaft, 3. B. i&o4- S. Sy. 5ö.
б) In der angeführten Diss. de morbis vesioaie.
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