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und gewissermafsen Erstarrung durch langes ruhiges Sitzen sich in und iun das Becken emfindet, besonders nach kurz erfolgter Erholung von Gichtanfällen.

... Auch verschlimmern solche Männer von einem selbst bis ins hohe Alter untadelhaft geführten Lebenswandel, ihre Leiden, theils durch das sittliche Gefühl von Schamhaftigkeit, theils durch den Vorsatz, alles, was sie für unvermeidliche Folgen des Alters halten, mit männlichem Muthe schweigend zu ertragen, um keinem unnötliigen Verdachte heim­licher Ausschweifungen sich auszusetzen.

Wie wenig reiche und vornehme Männer findet daher ein Arzt in unsern Zeiten, die nicht aus jenen Ursachen im hohen Alter an die­sen Theilen leiden?

Der Klippe der Einseitigkeit bey der Betrachtung dieser Krank­heiten wird wohl ein Arzt am sichersten ausweichen, welcher vielfältig sehr lebhaft darüber nachdachte, dafs fast kein Gebilde des Organis­mus, sich nicht blos durch die grob materiell ein wirkenden oder rei­zenden Stoffe gewisser Speisen, des Salzes, des Mohnsaftes, der Spani­schen Fliegen, des Zimmets , des Ambras etc. so auffallend und so schnell an Gröfse, Gestalt, Substanz und Temperatur verändern, als die Harnröhre, sondern dafs selbst die blofse Einbildungskraft, die im­materielle Erinnerung an sinnliche Reize, das Gleiche zu bewirken vermag. Die blofse Erinnerung des Betastens einer Geliebten, des Riechens gewisser Düfte und Blüthen, des Hörens schlüpfriger Gesänge, des Sehens wollüstiger Gemälde reicht oft dazu hin. Jeder aufmerk­same Arzt empfiehlt daher auch Vermeidung dieser Reize bey den Krankheiten der Harnröhre , besonders Männern von arthritischer Constitution, auf welche wir hier vorzüglich Rücksicht zu nehmen haben.

So wenig nämlich dergleichen kaum krankhaft zu nennende Er­scheinungen an der, aus dem Organismus herausgehobenen und isolir- ten, Harnröhre sich denken und erklären lassen, sondern offenbar die Kenntnifs des zusammenhängenden Nervensystems, der Reizbarkeit