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lichem Sinne zu flachen oberstächigen Kenntniß der wahren Nervenenden oder Nervenursprünge; — theils am Mangel richtiger und genauer Bestimmung der Gränzen der Hirnhöhlen und des Verhältnisses der Nerven zu ihnen (S. §. 26); — theils, wie ich im 12 §. zeige, in einem irrigen teleologischen Urtheile; — oder in einer ohne allen Beweis angenommenen Analogie der Bestimmung oder des Nutzens der Feuchtigkeit der Hirnhöhlen mit der Feuchtigkeit der Brusthöhle, Herzbeutelhöhle, oder Bauchhöhle.
Bei mehreren Gelegenheiten b) habe ich mich über den Nachtheil der unvorsichtigen Teleologie in der Physiologie geäußert, und freue mich daher, vollkommen gleiche Gedanken bei einem der neuesten Philosophen zu finden. Sehr richtig heißt es in den Horen: „Eine der vornehmsten Ursachen, warum unsere' Naturwissenschaften so langsame Schritte machen, ist offenbar der allgemeine und kaum bezwingbare Hang zu teleologischen Urtheilen, bei denen sich, so bald sie constitutiv gebraucht werden, das bestimmende Vermögen dem empfangenden unterschiebt. Die Natur mag unsere Organe noch so nachdrücklich und noch so vielfach berühren — alle ihre Mannichfaltigkeit ist verloren für uns, weil wir nichts in ihr suchen, als was wir in sie hineingelegt haben; weil wir ihr nicht ertauben, sich gegen uns herein zu bewegen, sondern vielmehr mit ungeduldig vorgreifender Vernunft gegen sie heraus streben. Kommt alsdann in Jahrhunderten einer, der sich ihr mit ruhigen, keuschen, und offenen Sinnen naht, und deswegen auf eine Menge von Erscheinungen stößt, die wir bei unserer Prävention übersehen
d) z. B. in meiner Abhandlung über die Durchkreuzung der Sebenerven — In der Note zum §. 871 meiner Uebersetzung von Haller's Grundriß der Phy- siologte Berlin 1788. Seite 644; — in meiner Abhandlung von Mißgeburten. Main- i 7 ?i' §. 84.