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schreiben sich getraut, die nur seine Kurzsichtigkeit zeigen; daß er sich gar so weit vermißt, mit Machtsprüchen entscheiden zu wollen, dies harmonire mit der Weisheit des Schöpfers, jenes nicht, welches nur schulgerechte Vorurtheile über die sogenannten Eigenschaften Gottes, wie wir ihn uns denken, schwerlich wie er ist, verrath. Warum sollte es denn der Natur mcht eben so wohl ftey sieben, Arteriem, Benenn und Nervenlöcher, die im gewöhnlichen Falle dem Hirne gehören, ohne alles Hirn zu bilden, als einen Mastdarm sich blind endigen zu lassen , als Finger ohne Muskeln, als Doppelköpfe, oder Köpfe ohne Augen, als Köpfe mit drei oder vier Augen zu schaffen? — Doch! wozu diese Grübeley? Genug: Ls geschieht. Ob die Natur dabey eine Absicht hatte oder nicht, lasse ich unentschieden , weil doch die Natur darüber den Menschen sich nicht zum Richter setzte. ~
2) Sagt Haller: Niemand könnte sich eine blinde Endigung der Aorke denken, die aus dem Herzen käme, und noch weniger den Anfang einer so großen Halsvene, u. st f. Allein, wenn solche Kinder gebohren werden, so ist doch alles dies Hallern absurd scheinende wirklich vorhanden, und ein solches Kind lebt, saugt, schreyr, u. st st folglich Mt dies Rcksonnement von sich selbst weg.
Ferner sagt er: .-Die Spuren von erlittener Gewalt seyen allenthalben gar zu offenbar."—- Freylich waren diese Spuren Gründe, die ohne Widerrede gelten müßten. Allein was führt denn Haller für Spuren an? »Das Schuppendem seye nach innen gedruckt gewesen." Ich habe vier solche Kinder in der Natur und die besten Zeichnungen von andern vor mir, und finde, daß der Schnopeutheil nicht nach innen gebogen ist , sondern fast gänzlich fehlt, und non entis nulla funt.praedicara. »Allenthalben habe hiemit das fehlende Blatt des Hinterhauptbeins und „Stirnbeins jusammengepaßt" (Confentiebat). Allein, da dies fehlte, so konnte es schwerlich erlittene Gewalt verrathen. — Man traut seinen Augen kaum, wenn man sieht, daß dies alles ist, was Haller von Spuren ansühre; denn das Uebrige grebr er selbst nur für bloße Bermu- thnng von sich aus.
Kann nun dies jemanden beruhigen?
§»85.
Eben so wenig wahrscheinlich wird man nun Msrgügni's Meynung, hie ohngefahr auf das selbige hinauskommr, finden: daß nämlich vielleicht Wasser im Kopfe zu dieser Verunstaltung Gelegenheit gegeben habe, welche vermuthlich sogar noch einen Beweis, dm ich nirgends finde, daß nämlich wirklich Wasser im Kopfe da gewesen sey, vorausseßt.
So kann ich mich auch nicht überzeugen, daß der von Siebstd(2) beschriebene und abgebildete Hirnbruch eines Kindes von der Schnürbrust der Mutter verursacht worden, um so weniger, weil ich ähnliche Hirnbrüche auch an Thieren bemerkt habe; sondern ich halte sie,. wenn ich wenigstens nach dem schönen Beispiele, welches ich in Natur vor mir habe/ urtheilen soll, ebenfalls für angebohrne Misbildungen; daher ist auch R ichtern (a) die äußere Gewalt aufdie schwangere Mutter zur Erklärung des Hirnbruches mugebohrner Kinder unzulänglich.
§♦ 8 b»
Ungeachtet freylich viele Unfälle, Beschädigungen und VemnstalLungen dem Kinde im Mutterleibe aus rrmem und äußern Ursachen begegnen können, so bleibt es dennoch am wahrscheinlichsten, daß schon in der ersten Anlage dieses Fehlen des Hirnes feinen Ursprung habe, so gm, als das Fehlen des Rückenmarkes unter der ganz gesunden Haut (in welchem Falle wenigstens schlechterdings an keine äußere Gewalt gedacht werden kann), so gut, als wie das Fehlen an den Oberkiefern ( 5 . § 7 ») , Unterkiefern (§. 66 .), Augen (§.28»), der Nase (§. 26.), den Ohren ($.14* 66.), dem Thorax (§. 48. 54.60.), dem Bauche (§.62.) / dem Arme (§. 48.) und den Beinen ($. 6 l.). Denn daß Doppelköpsige, Doppelleibige und Doppelglieörige vom ersten Keime an sich zeigen, darin stimmen alle erfahrne Physiologen überein.
§. 87 *
Sodann wird man finden, daß dieses Fehlen des Hirnes mit Fehlern am Rückgrache und Mückenmarke (mit der sogenannten Spina bifida) oft verbunden ist. So war's vorzüglich bey zwei Kindern ($. 33. imb 44.), weshalb es ein verwandter Fehler zu seyn scheint. Folglich, daß diese Misbildnug eigentlich in einem Fehlen der Hirnmasse, die theils in den Kopf, theils in den Kanal des Rückgraths im gewöhnlichen Falle zu liegen kommt, bestehe. Bisweilen fehlt blo§ der Theil,
der
(2) Diff. Obfervationes medico-chirurgicae, „Wirceburgi 1769.
(a) Anfausssründe der WM-arrneykunst Band s. Seite 201.
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