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Znverlaßig wird man mm leichter sich das 2lussehen von Doppeltköpfen, die zwischen die hier abgebildeten fallen, vorsiellen können. Ich finde z.B. daß die Misgeburt, die ehedem van Doeveren besaß, und abbilden ließ, offenbar zwischen die Erste und Zweite Misgeburt gehöret; und, um den Leser ^ der vielleicht van Doeversn'.s seltenes Werk nicht zur Hand hätte, von meiner Meynung zu überzeugen, ließ ich diesen Kopf hier nachsiechen. Van Doeveren hielt diesen Fall blos für eine doppelte Hasenscharte; allein mir scheint aus den meist vollkommen zwei Nasen auffallend zu erhellen, daß diese Misgeburt von dem Dreiäugigen zu dem auf der Ersten Tafel abgebildeten gleichsam den Uebergang mache, folglich zwischen beide gehöre, und nicht für emköpfig, sondern für zweiköpfig, so gut , als mein Dreiaugiges,' gehalten werden müsse, nur mit dem Unterschiede, daß ohngeachtet die beiden Stücke von verschiedenen Köpfen sehr nahe an einander gebracht, sie dennoch nicht zu einem unzertrennten, ungespaltenen Kopfe, so schön, wie die mep rügen, zufammengewachsen sind. -
Ich berichtige also nicht nur van Doeveren'6 Beobachtung, sondern mache hiedurch zugleich meine Reihe von Misgeburten vollständiger. Hätte ich nicht diese merkwürdige Reihe vor mir gehabt, so hatte ich schwerlich errachen, was eigentlich von van Doeveren's Misgeburt zu hatten ist.
§. 8 .
Um ferner zu zeigen, welches mir für meine dermalige Absicht erforderlich schien, daß auch Köpfe mir mit Einem, und auch wohl mit gar keinem Auge von der Natur selbst - hervorgebracht werden, bezog ich mich, in Ermanglung einer menschlichen Misgeburt, auf eine von einem Schweine gefallene Misgeburt, von der ich schon in den Hessischen Beyträgen gesprochen hatte» Doch kommen Beobachtungen dieser Art auch an Kindern vor, z. B. von einem Einäugigen Kinde findet man einen Fall in den Sammlungen auserlesener Wahrnehmungen aus der Arzney- Wissenschaft im Vierten Stücke des Sechsten Bandes.
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Ich habe die Hauptzeichnungen von unserm geschickten Mahler, Herrn Range, einem sehr fleißigen, willigen, und zu allen solchen Sachen sehr brauchbaren/ jungen Manne, verfertigen lassen. Man weiß, daß.es sehr schwer halt, einen Zeichner zu finden, der theils im Stande ist, alles das deutlich einzusehen, was ein Zergliederer eigentlich verlangt, theils nicht eigensinnig ist, um sich lenken zu lassen. Die mehresten wenden auf Nebensachen, auf eine unnatürliche, durch's Zusammenschrumpfen, vom Weingeisie verursachte Falte, eine blos durch's Zufammen- pressen im Glase verursachte falsche Lage, eine Genauigkeit, die den Hauptstellen schadet. Mau kann manche Künstler schlechterdings nicht gewöhnen, blos das zu sehen, was eigentlich ausgedruckt werden soll, und Kleinigkeiten, die nicht zur Sache gehören, oder wohl gar bloße Zufälligkeiten wegzulassen. Den meisten fehlen überdies die nöthigsten Begriffe von Mathematik, und sie können sich gar nicht finden, wenn man Theile ausqemessen, und nach den Ausmessungen aufs Papier getragen haben will. Entweder sie messen alles aus,, und bilden aus einander in die Lange gepaarte und dadurch verunstaltete Dinge, oder sie glauben sich schämen zu müssen, von Zirkeln und Maasstaben Gebrauch zu machen. Da Herr Range eine Zeitlang Feldmesser gewesen, und zum Ingenieur bestimmt war, ward mir alles sehr leicht..
Ich ließ, um andern und mir selbst die Mühe des RedueirenS zu ersparen, alles m natürlicher Lebensgröße, wie gesagt, die Hauptstücke mit dem Zirkel ausgekragen, zeichnen. Auf diese Art bemerkt man auf den ersten Blick, welche MiSgeburr in dieser Reihe die größte, welche am meisten ausgetragen, welche die fetteste schien, welche Gesichter vollkommener und natürlicher gewesen.
Auch auf die Verhältnisse des ganzen übrigen Körpers ließ ich sorgfältig Acht geben, damit nicht eine krüpplige Hand oder ein solcher Fus als nachgebildet vorkäme; damit nicht ein fetter Körper als mager, oder ein rundes Händchen als halbskeletirt aussähe. Es hat alles seinen Bezug auf einander, und der Rumpf der Ersten Figur paßt, bey aller Verunstaltung , dennoch nur zu seinem Kopfe, und nicht zum Kopfe einer der folgenden Figuren; die Hand des Vierten Kindes paßt nicht zum Fuße des Dritten; und der Leib des Dritten nicht zur Brust des Ersten Kindes, u. f. f.
Diese Genauigkeit und Nebensorgfalt ist um so erforderlicher, weil auch die beste Zeichnung doch immer nur eine unvollkommene Darstellung abgiebt.
Man verzeihe mir diese Ausschweifung über anatomische Zeichnungen. Man müßte erwarten, daß in unserm Jahrzehende doch nicht schlechtere Kupfer, als vor fünfzig Jahren, erscheinen sollten; aber man sehe die allermeisten neuen anatomischen Tafeln an, Walters tmübettrefliche Nevrologischen Taften und dergleichen ausgenommen, und vergleiche sie mit
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