^ vielleicht scheint einigen Kennern und Liebhabern dieses Merkchens nicht überflüssig, da es blos eigene Beobachtungen, und, wie mich dünkt, treue Abbildungen von äußerst merkwürdigen Abweichungen des gewöhnlichen Thierbaues liefert; vielleicht scheint es andern auch deßhalb nicht überflüssig,^ weil bey der Ungeheuern Menge täglich erscheinender Bücher dennoch nur der aller- kleinste Theil neue Thatsachen vortragt, die, so wie die hier ausgestellten, von jedem, der an ihrer Wahrheit zweifeln sollte , leicht geprüft werden können, weil man die beschriebenen Originale noch aufbewahrt.
Mir wenigstens schien die hier vorgepellte Reihe, besonders der vier ersten Misgeburten, anfangs, als ich sie in Glasern zugeschickt erhielt, so sonderbar, daß ich dem äußern Ansehen, daß es wahre menschliche Miögeburten von Haut, Fleischjl und Knochen waren, kaum traute, und es aus die Entscheidung durchs Herausnehmen aus dem Weingeist und.durchs Messer ankommen ließ.
Man wird leicht einsehen, wie auch die Titelvignette/Mzeigt, daß eben diese vier ersten Mtsgeburten gewissermaßen in einer natürlichen Ordnung oder Abstussung auf einander folgen, und daß die Misbildung des Zweiten Kindes durch eine Mittelstuffe erst in die Bildung des Vierten übergeht. Auf diese folgt endlich die förmlich Zweiköpfige Miögeburt bey P r 0 c h a sk a (a), }JUm. und auf dieses bey Monro(b).
§. Z.
J Sehr zu bedauern ist es sreylich, daß sich gar keine Nachricht, alles Nachfragens ohngeachtet, von diesen Misgeburren austreiben ließ; Wie? und Wann? sie gebohren sind; Ob? und Wie lang sie, und Welche von ihnen Zeichen des Lebens nach der Geburt von sich gaben; Ob sie von Einer Mutter sind , und was ihrer Mutter etwa für Unfälle während der Schwangerschaft zugestoßen? Ob ihre Mutter oder Vater auch etwas besonders an sich gehabt haben?
Alles (o), was ich erfahren konnte, war, daß man sie seit langer Zeit, in der landgraft lichen Namraliensammlung, die ehedem im alten sogenannten Kunsthause zu Cassel sich befand , aufgehoben hakte , bis der HochfteligeLgndgrafbey Einrichtung des sehenswürdigen Fridericianjfchen Museums, in welches die Sachen aus jenem Kuusthause herüber kamen, diese Misgeburtm, nebst andern sehr merkwürdigen Stücken, meiner Aufsicht, indem damals ganz Neu von mir eingerichteten anatomischen Theater auf dem schönen leipziger Plaße den röten December 1779. unvertraute.
§> 4.
Dies ist NUN um so mehr zu bedauern, da mir bis izt schlechterdings keine Naturalien? sammlung, oderauch nur eine Beschreibung (6), bekannt ist, wo eine solche, ich kann wohl sagen, vollständige Stuffenfolge von zweiköpfigen Miögeburten verkäme. Eines von diesen Stücken ist
schon
(a) Defcriptio änatömicä Moüftri humani bicipitis monocorporei Üt seinen AdnotationibuS academicis, fa- fciculo L Pragaeijgo. Tab. 1.2. 3.4.
(b) Bemerkungen über die Struktur und Verrichtung gen des Nervensystems. Leipzig 1787. Tab. VI.
(c) Herr Hofrath und Leibarzt Hüb er in Cassel, mein besonders geschätzter Freund, harte die Gefälligkeit mir seines seeligen Herrn Vaters Handexemplar von seinem
Programmade miris visexternae ae inpjrimis imaginatio- jiis in mulieres gravidas indeque in erabryones efiectibus. Caffei. 1743. zü leihen, wo ich zur Seite 22. folgendes heygeschrieben fand: ^
„Singulare exemplurii accidit in Metz , hoha a Caffellis „diftante; ibi nvulier, quae vix certa erat graviditatis „fuae, leporem yidit yälde pihguem, qüem faepiflime „in domo vivum viderat, a mulieris filio edueatus „fuerat, et bonc pabulo ita pinguis reddebatur, Mu- „lieri ita arridebat edendus et in occipite pertufus „lepus; ita avide illum comedere cnpiebat, vt diceret ssfüio fuo ;• ita pinguis et bonus eft, vt doleo, quod
,,noh dno fint. Sexto forte rnenfe pepeirit mulier illä „infantem fe-ptimeftrem, vno quidem capite praeditum, ,jfed duabus faciebus, le'porinis gnali, id eft, cuni „riftu leporino atqne gingivis. dentium leporinorum ,,in morem excretis, fed praeter riftus illos, qui abst „que imaginationis vi produci, vt plura fuadent exem- „plä, potuiffent; occiput quoque fanguinolentum» „inaequale, carnofum et praeruptum, vt illud pertuli „et enecati leporis Srat. Partus ifte ad fmgulorunx „cprioforum fpeftaculüni in Theatrö anatomico fpiritu „vini fervatur, confpiciendus exftat CaileLlis. iVlater „adhuc vivit> qüae foetum hunc anno 1741 edidit. u
Ist etwan hierdurch eines von diesen vier ruisgestal- teten Kindern gemeint? und welches? etwa» das der zweiten Tafel?
(ä) Ich kenne nicht nur F° La cetu s Plancü Sj Reg nault's les Ecarts de la Nature, Haller' s, Büttner's, van Doeveren's, Sandifort's und andere Schriften über die Misgeburren, sondern besitze die meisten.
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