PommoppchoG Museum für Naturkunde

Stettin, den .. 19

Sehr verehrter lieber Herr Professor !

Ich hin inzwischen wieder gut hier angekommen und hoffe, daß ich Ihnen in den nächsteh Tagen schon etwas von den ge­wünschten kleinen Artikeln zugehen lassen kann. Für heute kom­me ich mit der Bitte, mir kurz Ihre Ansicht zu folgendem Fall mitzuteilen:

Wir erwarben ein sehr schönes Riesenhirschgeweih. Dieses wollte ich in der Paläontologie in der Abteilung Diluvium ausstellen, wo die Unterbringung organisch bedingt wäre und das Stück in seiner ganzen Wuchtigkeit wirken könnte. Herr Prof, Wachs teilt meine Ansicht nicht. Er möchte das geweih iy den Europasaal zu den recenten Hirschgeweihen hängen, aus­gehend von der Ansicht, daß gleiches zu gleichem gehört ohne Berücksichtigung des geologischen Alters, daß also Fossiles neben Secentem zu stehen habe. Zugleich soll der Riesenhirsch dazu dienen, die phylogenetische Entwicklung der geweihe zu demonstrieren. Herr Prof. Wachs beruft sich dabei auf die von Ihnen entwickelten Ideen . Meiner Ansicht nach paßt das Riesenhirschgeweih garnicht in eine phylogenetische Reihe, sondern stellt eine Orthogenese dar, die man mit den Schädeln von Säbeltiger und Warzenschwein zusammenstellen müßte. Ausser­dem verlieren bei einer derartigen G-egenüberstellung selbst die 0X stärksten Geweihe recenter Hirsche sehr viel von ihrer Wirkung und ebensoaas Riesenhirschgeweih , da der Saal dort viel zu groß und hoch, die Wand viel zu ausgedehnt ist.

Ich habe Ihre in Rede stehenden Ideen etwas anders aufgefaßt und bitte Sie freundlichst, mir zu obiger Sreitfrage doch einmal Ihre Meinung mitteilen zu wollen.

Mit herzlichen grüßen und bestem Dank Ihr sehr ergebener

Dber paläontologische Schausammlungen Inß "Das Weltbild"