Hungen, den 21 . 2. 45

Lieber Herr Heuling?

Als ich am Montag auf die Eisenkaut kam (Frau Prof.Richter hatte mich mit der S'iana-Korrektur etwas aufgehalten), berichtete mir Herr Scholl, daß er das Zimmer von Frl.Schirner voll Qualm angetroffen habe. Hinter dem Ofen hätten Briketts geseäsen, die Frl. Schirner auf seine Anordnung hin entfernt hätte. Ich nahm nach dieser Schilderung an, daß der Rauch durch glimmende Briketts entstanden ist, wie es ja offenbar in der Küche von Abendstern Anlaß zufiäem Brand-Schaden gewesen ist.

Im Zimmer von Frl. Schirner konnte ich nicht die geringste Spur einer Beschädigung feststellen.

Als ich dann später Frl. Schirner darüber zur Rede stellte, sagte sie entrüstet, daß ein solcher Sachverhalt nicht vorliege. Wenige Minuten vor dem Eintreffen von Herrn Scholl hätte sie erfet Feuer angemacht. Das Brand-Material sei zudem naß gewesen. Selbst Herr Scholl hätte sich beklagt, bei seiner Erkältung könne er in einem solch kalten Zimmer nicht arbeiten. Der Ofen qualme bei jedem Feueranzündai, wie auch Frl. Linke festgestellt hätte. Bis zum Durchbrennen müßte selbstverständlich die untere Ofentür offen bleiben. Eine andere Tür sei nicht offen gewesen. Herr Scholl hätte nur den Qualm angetroffen, der jeden Tag beim anzünden entsteht.

Frl. Schirner wird Ihnen selbst darüber berichten.

Wann soll ich nach Bremen fahren? Nächste Woche oder in der 1.März-Woche? Mir ist es ganz gleich. Die 1 .März-Woche ist vielleicht günstiger, denn bis dahin kann man ROEWER verständigen. Schreiben Sie ihm doch bitte gleich, damit er rechtzeitig die Ankündigung meines Besuches erhält.

Können Sie bis zu der Reise feststellen lasesy. welche Tafeln vernichtet sind. lehn könnte dann ROEWER persönlich von dem Verlust unterrichten.

Herzlichst

Ihr

NB. Bei dem Terror-Angriff vom Samstag auf Offenbach ist mein Onkel ums Leben gekommen. Bei den Eltern ist alles in alter Ordnung. Die Stadt soll wieder schwere Schäden erlitten haben.