den 8. 4. 1944

Nun sind schon wieder 14 Tage seit der Zerstörung unserer Stadt ins Land gegangen und es wird höchste Zeit, die Erinnerung an das eigene Erleben festuhalten, nur flüchtig zwar und hingeschmieft, denn zu mehr fehlen Zeit und Stimmung !

Nach dem schweren Tagesangriff amerikanischer Bomber , denen am 8. 2. mein Institut zum Opfer fiel, folgte eine längere Pause. Nicht, dass es da keine Alarme gegeben hätte, an 5 hinter­einanderfolgenden Tagen heulten die Sirenen 35 mal. Aber es folgten keine Bombenabwürfe. So setzte das gestörte leben der Stadt wieder ein. Die Bombenkrater wurden zugechüttet, der Häuserschutt an den S trassenrändern aufgehäuft und aus unordentlichen wurden ordentliche Ruinen. Fenster gab es ja nur.noch wenige, sie wurden vermauert oder durch Pappe und Holz vernagelt, da und dort . uchsen, an beschädig­ten Häusern sogar Gerüste empor, Strassenbahngleiäe wurden ausgewech­selt, Strom und Gas flössen wieder in den Leitungen. Und wie im. Grossen, so im Kleinen. In der durchgeblasenen Universität traten die Studenten zun Aufräumen an, auch meine Sammlungen u.s.w. wurden in das Erdgeschoss des Museums verbracht, teilweise nach Ausweich­lagern transportiert, der Rest - das Material für die im Gange be- ) findlichen Untersuchungen - neu geordnet. Irmgard half fleissig dabei. Nach einigen Wochen war es also so weit, wieder an eigene Arbeit. denken zu können, während daheim die zerrissenen Wände geflickt und sogar mit Tapetenresten verklebt waren. Auch die Strassenbahn funk­tionierte beinahe wieder ganz, selbst der E1B machte sich wieder be­merkbar, kurzum die "Normalität " war so weit vorgeschritten, dass man bald mit einer Aenderung dieses merkwürdigen Zustandes rechnen musste.

Am 18. Z. war es dann so weit. Alarm zun Frühstück, beim Mittagessen und am Abend. Man dachte an nichts Böses, hatten die Kerls bis dato doch wenigstens den Sabath geheiligt. Aber unvermutet einsetzendes starkes Flakfeuer , am Himmel stehende Leuchtschirme und "Christbäume" belehrten einen schnell eines besseren bezw, schlimmeren. Also hinein in den LS Keller ! Es war das übrigens der erste Grossangriff, bei dem die Familie seit Weihnachten voll­zählig - natürlich ohne Wolf und Hilde - daheim war. Schon fielen die ersten Bomben, dann zitterten die Wände 25 Minuten lang ohne Unterbrechung und der Kalk rieselte herab. Aber unsere Hausbewohner blieben gottseidank ruhig, auch als sich Staub und Brandgeruch bemerkbar machte. Kaum war einige Rühe in der Luft eingetreten, so hasteten wir durch die Wohnungen und auf den'Boden.^ Die eben erst geflickten Wände und Fenster zwar waren wieder futsch. Aber was will das bedeuten, wir flicken sie wieder. Kein Brand, das ist die Haupt­sache. Dagegen sali man von den Bodenfenstern , wie in der Altstadt und auch sonst ringsum überall kleine und grosse Brände auf flackert en. Noch während wir so stehen und schauen, geht der Tanz von neuem los. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie 4 Treppen hinuntergekommen. Aber auch diese und eine dritte Weile fügte uns keinen Schaden zu. Entwarnung ! Nun ist es an der Zeit, die entstandenen Schäden näher zu betrachten. Sie hätten uns früher erheblich gedünkt, aber die Masstäbe verschieben sich. Wieviele Mühe hatten sich doch die beiden französischen Maurer gegeben, die Wände wieder aufzurichten, wie stolz war ich auf meine Cellophan-Fenster ! Alles wieder zum Teufel. Aber was bedeuten so che Kleinigkeiten. Beim letzten guten Cognac gratulieren wir uns, um Mitternacht geht es ins Bett.

Am nächsten Tage, einem Sonntag, Marsch ins Museum. Ueber der Stadt liegt-eine dicke Rauchwolke, an vielen Stellen brennt es noch. Schrecklich, so meint man, sind die Zerstörungen. Auch das Westend ist stark mitgenommen Die Aula der Goethe-Schule ist eingestürzt die gegenüber liegende Reichsbahndirektion von oben bis untern aufge-

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