Museum für Naturkunde der Stadt Erfurt

Arbeitsbericht über das Jahr 1944

Kustos Dr.Wächtler, der als Offizier an der Ostfront kämpfte, ist seit dem 16*11,1943 vermißt« Dasselbe Schicksal traf an der Ostfront, den botanischen Mitarbeiter des Museums, Herrn Lehrer Hans Hartmann aus Oberbösa» Herr Prokurist Naumann, die Mus®-Aufseher Schröclcel und Engelhardt waren auch in diesem Jahre im Heeresdienst tätig® Durch die Kriegslage wurde die Arbeit im Museum stark beeinflußt» Die nicht im Heeresdienst stehenden Mitarbeiter und Freunde des Museums hatten durch erhöhten Kri egseinsatz weniger oder gar keine Zeit mehr übrig« Die sichergestellten Lammlungen tind die Bücherei waren nur schwer er reichbar»

Arbeiten in den Abteilungen.

1, Geologische Abteilung.

Herr Schmoger arbeitete an einer Zusammenstellung der in Thüringen gefundenen Mineralien, Eine Sammlung von Gesteinen des Ehrenbergs bei Ilmenau stiftete Herr Dr.med» BreInner«

2« Botanische Abteilung.

Eine geschichtlich interessante Sammlung van in Thüringen gesammel­ter Moose erhielt das Museum durch Herrn Hainmüller in Waren vom "Maltzaneum t: daselbst. Diese Moosarten sammelte zum grüßen Teil Joh.DaVoHic» Dietrich, geb. am Z«Okt.l799« Er entstammte der berühm­ten Botanikerfamilie Dietrich aus Ziegenhain bei Jena. Seit 1828 ar­beitete er im akademischen botanischen Garten, später unter Stahl war er Kustos des Universitäts-Herbariums in Jena, Der Aufbau und die Ordnung dieses Herbariums sind sein Werk» Außer zahlreichen Schrif­ten gab er 1824 in Gemeinschaft mit Zenker {< Die Laubmoose Thüringens als Exsiccateen heraus« Aus dieser, im Buchhandel erschienen Samm­lung, die auch Goethe kannte, stammt das Geschenk, In den 30er Jahren erhielt Dietrich den Titel eines Ehrendoktors und später vom König von Preußen die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft« Dietrich starb am 23®Oktober 1888®

3® Zoologische Abteilung.

Gestiftet wurden; 1 Wespenbussard, 5 Mäusebussarde, 2 Au erhabne-und - 1 Fasan (Herr Hanptfeldwebel Bauer); bei Jena gesaumelte Bienenar ten (Herr Alfken,Jena); 1 in Rußland gefundener Nashornkäfer (Herr Gerhard Vogt, Hindenburgstraße 23)j Puppenräuber, Prachtkäfer, Zimmermannsböcke u. Hirschkäfer, die aus Brandenburg stammen» (Herr Thilo Sippel, Meiningen); Fraßstücke des Bockkäfers Gracilia minuta und des Bockkäfers Hylotrechus pantherinus. Dieses Relikt wurde höchst selten in Deutschland gefunden» Vermutlich sind die dem Museum geschenkten Fraßstücke (Sahlweide) von der letzten deutschen Fund­stelle® Die betreffenden Sahlweiden standen in der Mosigkauer Heide bei Dessau« Die ForstVerwaltung ließ dieselben, ohne ihre Bedeutung zu kennen, fällen. Zufällig kam Stud.-Rat Dom noch rechtzeitig dazu, um die befallenen Stämme käuflich zu erwerben» (Herr Stud--Rat Karl Dom, Leipzig.) - Herr Dr.Eichler, Berlin, sorgte für die Bestimmung einer Anzahl von Floh-Arten» Gekauft wurden; 2 Elchschaufeln (K.Schenk, Erfurt); mikroskopische Präparate von Diplopoden und Chilopoden (Dr.K.W»Verhoeff, München-Pasing); 60 in Kanadabalsam eingebettete Myrmiden» Herr Soyka ist z.Zt® der einzige Kenner dieser winzig klei­nen Hautflügler, Die Sammlung ist besonders wertvoll, da fast alle Exemplare Gotypen oder Paratypen sind. (Pfarrer W. Soyka, Hundsheim