Herrn

Pani E i p p e r

(1) Berlin-Zehlendorf

ICLein- Hachnow, Litzmannhain 11

31. 1. A5

Lieber Herr Zipper !

Vor etwa 14 Tagen habe ich verschiedentlich versucht, Sie von Berlin aus fernmündlich zu erreichen, aber leider waren meine Berilhungen stets erfolglos. Ich nehme an, dass Sie nicht in Ihrem Hause waren oder sollte Ihr Fernsprecher nicht in Ordnung gewesen sein ?

Gern hätte ich Ihnen bei dieser Gelegenheit eine weitere Nachricht über Prof. Richter mitgeteilt, die mir gerade im Ministerium des Auswärtigen zugekommen war. Prof. Richters Name steht auf der Austauschliste, die von der Schwedischen Re­gierung an Rumänien zugestellt worden ist. Begleich nach der üeber- gabe haben die Rumänen die auf der Liste stehenden Herren aus dem grossen Intemierten-Lager herausgenommen und gesondert in einer Schule Bukarests untergebracht. Die Schweden haben jedoch darauf aufmerksam gemacht, dass man noch nicht übersehen könne, wann die Verhandlungen in Gang kommen und zum Abschluss gebracht würden.

.Aus dem schnellen Heraus ziehen der Leute hoffe ich zu der Annahme berechtigt zu sein, dass Rumänien an einem baldigen Zustandekommen des Austausches ein Interesse hat . Hoffentlich behalte ich recht, und wir können den Chef bald wieder ln unserer Mitte begrüssen.

Fast unser ganzes Museum ist auf 48 Ausweichlager zwischen Neckar-Rhön-Vogelsberg-Dill-Gebiet und Rhein verteilt.

Damit ist naturgemäss viel mehr Arbeit verbunden, da die Sararol.ua- gen meist in ungeeigneten Räumen untergebracht sind. Die Erhal­tung der Forschungs-Sammlungen hat in 5 Jahren viel Schweiss ge­kostet, und nun muss man von Tag zu Tag fürchten, dass der Krieg mit vernichtenden Händen in das aus den Flammen gerettete Gut greift. Es ist entsezlich, was dieser Krieg alles an einmaligem Kulturgut zerstört.

Mit der Erhöhung des Beitrages haben Sie nleht nur mir, sondern uns allen eine grosse Freude bereitet und den Mut gegeben, auch weiterhin alle Kraft für unser Senckenberg einzu­setzen. Trotz allem : wir müssen das Erbe von Goethe hochhalten. Senckenberg muss au^ dem Schutt auferstehen!

Ich hoffe, dass es Ihnen nach all den Aufregungen gesundheitlich wieder besser geht und Sie bald wieder Ihrer ruhigen Arbeit am Schreibtisch nachgehen können. Ihr Leserkreis wartet sehnsüchtig auf ein neues werk aus Ihrer Hand.

Mit herzlichen Grüssen und .Hinsehen

Ihr ergebener