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An das Arbeitsamt Arbeitseinsatzstelle

Frankfurt/Main

Ffrn.27.12.1944

Fräulein Wal traut Schell er aus Bad Homburg, v. d.H. i st bibliothe­karische Hilfsarbeiterin in der Senckenbtrgischen Bibliothek.

Am 23.12.1944 erhielt sie vom handratsamt ]n Homburg ihre Einbe­rufung zur Flak in Ffm._Höehst zum 27.12.1944.

Fräulein Scheller ist in der Senckenbergisehen Bibliothek ganz unentbehrlieh.Ich ersuche deshalb das Arbeitsamt Frankfurt a.M. , dem sie ja unterstehtdringend,sie dem Landratsamt Homburg zur Flakeinweisung nicht frei zugeben.

Die Seckenbergisehe Bibliothek ist ein kriegswichtiger Betrieb mit medizinischer~und naturwissenschaftlicher LIteratur^die unbedingt notwendig ist.Für Heer,Industrie,Krankenhäuser ist sie unentbehrlich. Vor allem ist die Naturwissenschaft darauf angewiesen,zur Erfor= schund und Nutzbarmachung neuer Rohmaterialien Studien in dem ein­zigartigen Bestand der Bibliothek zu machen.Da Deutschland die Roh­stoff lager in den östlichen und Baikan1 ändern verloren hat,müssen die eigenen Bodenschätze genau erforscht werden.

Als Beispiel führe ich an,dass vor einiger Zeit ein H^ereskurier im Flugzeug eigens zut Senckenbergisehen Bibliothek kam,um Literatur zu holen,die er in keiner anderen Bibliothek erhalten konnte.

Auch di» medizinische Literatur ist ausserordentlich wichtig,zumal die Hauptbibliothek des städtischen Krankenhauses zerstört wurde.

Die Bücher der Senckenbergisehen Bibliothek sind zum grossen TLd 1 an 2 verschiedenen Stellen zur Sieherstellung ausgelagert,und sie müssen dort verwaltet und verschickt werden.Wir braueheil also an diesen beiden Stellen und in der Hauotverwaltungsstelle und Ausleihe in Frankfurtc Angestellte,und deshalb können wir auch keine einzige unserer wenigen Angestellten entbehren.

Ich ersuche deshalb nochmals dringend,Frl.Schell er nicht aus ihrem Arbeitsverhältnis frei zugeben.

Heil Hitler!

Der Direktor in Vertretung

E.Wolff