Herrn

Prof.Dr.Bobert MERTENS

(16) Oberlais

über Nidda/Obh.

2.11.1944

Lieber Herr Mertens!

Um eine Uebersicht über die noch in Oberlais durchzuführenden dringendsten Arbeiten zu bekommen, bitte ich um alsbaldige Mitteilung, an wieviel Sonntagen Sie noch die Arbeitskraft der beiden Holländer be­nötigen .

Ich hatte bereits seit längerer Zeit das Empfinden, dass die Beiden nicht mehr so arbeitswütig wie am Anfang sind.und die Arbeiten möglichst hinausziehen wollen. Ich habe dies bisher geflissentlich über­sehen, kann aber nunmehr aus folgenden Gründen dies nicht mehr hinneh­men.

1. Herr Deuse berichtete mir gestern, dass er ein Gespräch zwi­schen den beiden Holländern belauscht habe, in dem Nierop und Hooeen» boom das Hinausziehen der Arbeit in Michelnau besprachen. Damit ist meine Vermutung einwandfrei belegt.

2. Herr Direktor Dr.OEHLEF hat mich gestern anläßlich der Auf­klärung einiger Mißverständnisse gegenüber der Senckenberg-Bibliothek gebeten, alles zu tun, damit die Ordnungs-Arbeiten schneller zum Ab­schluß kommen. Ich habe, da dies von mir selber gefordert worden war, jede nur mögliche Hilfe bei aer Aufstellung der Gestelle zugesagt.

3. Im Vorzimmer auf den Rektor wartend, unterhielt ich mich mit Herrn Oberinspektor Hublitz. Auf seine Abgespanntheit und Ermüdung hin­zielend, erzählte er mir, dass er die ganze Nacht, von ul 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh, auf Razzia nach Ausländern unterwegs gewesen sei. Sehr viele Ausländer würden sich nachts draußen herumtreiben, sehr viele auch bei Privatleuten untergeschlupft wohnen, und man würde darauf die vielen Einbruchs-Diebstähle, Sabotage-Fääle, Ueberfälle usw. zurück­führen - Alle Ausländer sollen wie ehedem wieder in Lagern untergebracht werden. Da diese Aktion schon einige Zeit läuft, wird mir auch jetzt die Anfrage von van Nierop verständlich, der auch noch bei uns unter­schlupfen zu können glaubte. Da ich nach Ansicht von Herrn Hublitz