am 9 . November 1945*

Dr. Gerald P.R. Martin Büdesheim (Oberhessen)

Sehr geehrter Herr Professor Marx,

Ein grausamer Zusammenbruch, hervorgerufen durch den mörderischsten aller Kriege, bedroht nun nach Vernichtung unserer geliebten Forschungsstätte auch das gesamte Werk SENCKENBERGs an sich. Doch so bedrohlich die Anzeichen auch sein mögen, gerade auf* der so oft bewährten Liebe unserer Forschungsgemeinschaft, ihrer vielen Freunde und Gönner zur unvergleichlichen Institution SENGKENBERGs und GOETHEs beruht mein grenzenloser Optimismus für ihre Zukunft.

Wenn wir nur alle fest zusammenstehen und wenn ein Jeder sich nach Kräften beteiligt am geistigen und materiellen Wiederaufbau, dann wird die schwere Arbeit geschafft werden. Es wird natürlich noch lange Jahre dauern, bis auch nur ein kleiner Teil der Schausammlung sich wieder öffentlich darzubieten vermag, doch daß der Nerv nicht tot ist sondern im Gegenteil bereits wieder zu recht kräftigen Lebensäußerungen fähig ist, das zeigt das über­raschend stattliche Programm der kommenden Wintervorträge, das zeigt der erfreuliche Auftakt, den diese Vorträge bereits genommen haben.

Undurchführbar aber sind und bleiben alle Erneuerungs und Aufbau-Pläne ohne Geld. Mitgliedswerbung muß jetzt mit im Vordergrund stehen. Dazu sind die Vorträge eines der besten Mittel. Die Gesellschaft muß sich jetzt, spätestens aber bei Erscheinen des ersten neuen Heftes von "Natur und Volk", in einem Aufruf an die Oeffentlichkcit wenden, Mitglieder und Freunde müssen sich bemühen, aus ihrem Bekanntenkreis je etwa drei neue Senckenberger zu gewinnen. Das ist keine schwere Arbeit, wie ich selbst im Laufe 'der Jahre bemerken konnte. So gestützt durch einen kräftigen Stamm alter und neuer Mitglieder wird dann eine schnelle Entwicklung zum Besserneinsetzen können.

Zum Beweis meines eigenen guten Willens bitte ich Sie hochverehrter Herr Professor, mich in die Reihe der "Ewigen Mit­glieder" der SNG aufnehmen -zu wollen. Den Betrag von RM. 1000.- werde ich in bar oder in Form eines guten Wertpapiers überweisen lassen. Die Zahlung dieses Beitrages soll alles andere als eine bloße Geste sein, sie bedeutet vielmehr für mich gerade in dieser nicht absehbaren Zeit der Stellungslosigkeit ein erhebliches Opfer für-midi . Ich möchte damit auch vor allem einen Teil meines Dankes abtragen, den ich als Mitarbeiter für die Möglichkeit der unein­geschränkten Benutzung der Sammlungen, Geräte und sonstigen wis­senschaftlichen Hilfsmittels schuldig bin. Möge außer mir eine recht lange Reihe von Mitarbeitern und Freunden der SNG diesen Schritt tun und damit ihre Anhänglichkeit und Dankbarkeit unter allzeit sichtbaren Beweis stellen!

Mit vorzüglicher Hochachtung verbleibe* ich Ihr sehr ergebener